Gestern, am 18. Januar 2012 um 23:15, hat das ZDF über das Magazin ZDFzoom eine Reportage über Zeitarbeit / Leiharbeit in Deutschland ausgestrahlt. Tenor: Alle ZeitarbeitnehmerInnen / LeiharbeitnehmerInnen sind die großen Verlierer.
Zur Reportage ZDFzoom: : Jobmotor oder Ausbeutung?
Ob das in letzter Instanz stimmt, sei dahingestellt – sicher ist jedoch, dass viele ArbeitnehmerInnen im Hilfskräftesektor mit geringen Stundenlöhnen (7,89 West und 7,01 Ost) keine großen Sprünge machen können – insbesondere als Alleinverdiener und Elternteil – und dass die Fluktuation bei Hilfskräften recht hoch ist.
Inwieweit ist den Aussagen der zoom-Reportage jedoch darüber hinaus zu trauen?
Haben die Verantwortlichen einen guten Job gemacht oder sind sie wieder einmal der Sensationsgier verfallen und stellen die Schwarzen Schafe in den Vordergrund der Reportage?
Kurz und bündig: Es gab schon schlimmere, negativere und insbesondere einseitigere “Dokumentationen”.
Herr Christian Bock hat zumindest versucht, ein Positivbeispiel – die BERA PERSONALdienstleistungen GmbH – einfließen zu lassen. Dafür: Herzlichen Dank!
Es ist ja – Gott sei´s gedankt – so, dass es nicht nur Schwarze Schafe in der Branche gibt, sondern auch vorbildliche Unternehmen – und dazwischen eine Menge Grauschattierungen… Was ist aber mit den Aussagen, die sicherlich bei dem einen oder anderen (Arbeitnehmer / Bewerber) hängenbleiben? Dazu ein paar kurze Anmerkungen:
- Herr Bock hat einen Test bei einer Zeitarbeitsfirma absolviert – in einem Einsatz. Man mag bezweifeln, ob die Gesamtmenge von n=1 tatsächlich die Realität widerspiegelt… Immerhin gibt es 9.000 Unternehmen plus 7.000 Niederlassungen am deutschen Markt.
- “Als Zeitarbeiter kann es immer der letzte Tag sein” – so die Aussage. Stimmt, doch gute, professionelle Zeitarbeitgeber sorgen für Folgeeinsätze. Warum sollte man gute Mitarbeiter entlassen? Sie sind doch Umsatzbringer…!
- Insofern mag der Spruch “…abgemeldet ist oft gekündigt!” ebenso kritisch hinterfragt werden. Gerade in der heutigen Zeit stapeln sich die Aufträge bei den Zeitarbeitsfirmen, die qualifizierte Mitarbeiter dringend benötigen.
- Warum werden in dieser Reportage die Unternehmen verpixelt, warum werden Ross und Reiter nicht genannt? Angst vor der eigenen Courage? Merkwürdig, denn auf DerZeitarbeits-Check.de machen wir genau das!
- Bitte – werft die Begrifflichkeiten nicht durcheinander! Probetage sind nicht gleich Probezeit!!!
- Es wird eine Übernahmequote von 2,8 % erwähnt – hier schütteln mit Sicherheit diejenigen Personaldienstleister ungläubig den Kopf, die pro Quartal mehr als 25 % Übernahmen in den Kundenbetrieb haben.
- Was ist dieser ominöse “Bundesverband Zeitarbeit”? Legen wir keinen Wert mehr auf korrekte Quellenangaben? Sind wir mittlerweile alle geguttenbergt? Also: Kommt das Datenmaterial vom BAP oder dem iGZ?
- Dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) nichts gegen Schwarze Schafe machen kann – wie suggeriert wird – ist nicht ganz wahr. Sie stellt die Erlaubnisurkunde zur Arbeitnehmerüberlassung aus und kann sie ebenso wieder entziehen. Warum es jedoch selten genug geschieht, mag nur die BA beantworten.
- Wenn ZeitarbeitnehmerInnen im Einsatz von den dort beschäftigten Stammmitarbeitern schlecht und wie Mitarbeiter 2. Klasse behandelt oder von Kundenbetrieben (Entleihern) nur als Verfügungsmasse und strategischer Personalkostensenker behandelt werden, dann geht der Vorwurf zuerst an die Kundenbetriebe!!! Macht euch mal Gedanken um euer Image…
- ZeitarbeitnehmerInnen trauen sich nicht, über die Methoden der Zeitarbeitsfirmen zu sprechen? Doch – ebenfalls auf DerZeitarbeits-Check.de. Hätte man aber auch recherchieren können…
- Und dann war er wieder da – der Spruch von der “modernen Skl…ei”. Hätte uns gewundert, wenn das gefehlt hätte. Zur Info: wikipedia.org/wiki/Sklaverei . Somit endet die Reportage exakt so, wie man vermuten konnte…
Es bleibt also summa summarum nicht viel Neues außer verdrehten Begrifflichkeiten, Unwahrheiten, nicht repräsentativen Stichproben und eine dringende Frage: wo sind unsere GEZ-Gebühren geblieben? Versteht uns nicht falsch – Zeitarbeit ist kein Ponyhof und erst recht keine Wellnessoase – es ein knallhartes Geschäft für jeden Beteiligten! Und die unseriösen Firmen gehören vom Markt verbannt!
Wenn jedoch journalistische Reportagen oder Dokus ausgestrahlt werden, haben die Zuschauer ein Recht auf Objektivität, Sachlichkeit und differenzierte Berichterstattung. Sonst kann man sich auch die “NEWS” auf RTL2 anschauen.
Unsere Meinung zu dieser Reportage können Sie auch nachlesen unter:
http://blog.zdf.de/zdfzoom/2012/01/12/finger-weg-von-zeitarbeit/#comment-603














Januar 19th, 2012 at 16:08
wir leiher werden oft mies behandelt und kriegen zuwenig geld. das wurde gezeigt und so solls sein. es gibt nur wehnige zeitfirmen die korrekt sind
Januar 20th, 2012 at 09:39
Ich kann der obigen Darstellung nur zustimmen…wir leben davon, dass gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Entleihern gute Arbeit verrichten, also gilt es diese sinnvoll und passend einzusetzen, zu betreuen und zu motivieren…pünktlich und korrekt zu bezahlen usw.
Abmeldung heisst nicht Kündigung sondern neue Aufträge besetzen, gerade in der jetzigen Zeit, wo wir mehr Aufträge als passende Mitarbeiter haben, wäre es ja geradezu schwachsinnig, Mitarbeiter gleich wieder frei zu setzen, nur weil ein Auftrag ausläuft. Ich bin überzeugter Vertreter der Zeitarbeit im klassischen Sinn, d.h. Überbrückung von Engpässen bei Krankheit, Urlaub und Auftragsspitzen. Darüber hinaus bieten wir die Möglichkeit der Übernahme nach einer gewissen Zeit, bei uns ist dies nach 6 Monaten ohne weitere Kosten problemlos möglich. Nur so bekommen wir auch gute Bewerber und werden weiter empfohlen, weil die Zeitarbeit dann wirklich Chancen bietet. Bei Berichten über unsere Branche sträuben sich mir oft die Nackenhaare, weil hier nur die schwarzen Schafe in den Vordergrund gerückt werden, die es in jeder Branche gibt. Die guten Unternehmen müssen eben am Image der Zeitarbeit arbeiten und versuchen, dieses zu verbessern.
Januar 20th, 2012 at 13:54
Hi,
ich kann da Hr. Pannek nur beipflichten, es wird immer nur das negativ Beispiel gezeigt, und nie die positiven Aspekte beleuchtet, zwar wurde in der Reportage mal kurz (war es 1 Minute?) ein positives Beispiel genannt, aber Abendfüllend war das auch nicht.
Ich frag mich warum nicht mal generell zur Mitarbeiterpolitik eine Reportage gebracht wird, wie dort mit genügend Mitarbeitern umgegangen wird, wenn man will findet man in JEDER Branche schwarze Schafe.
Wenn ich mir vorstelle, dass ich bei meinem neuen Arbeitgeber in der ersten Woche direkt mal Krank feier, oder auch nach 2 Monaten, wird mindestens ein Gespräch geführt, wenn nicht sogar gekündigt, bestenfalls läuft der Vertrag noch bis zum Ende der Probezeit, und man ist dann weg vom Fenster. Jeder der behauptet das sei nicht so, hat (mal ehrlich, oder?) keine Ahnung von der wirklichen Berufswelt.
Januar 20th, 2012 at 15:03
Meine Erfahrungen mit der Leiharbeit in Kurzform:
- Jede ZAF erzählt mir sie seien anders, sind dann aber die selben Ausbeuter
- Herr Bock hat nur eine ZAF getestet, korrekt, ich auch noch zwei, meine 500 Kollegen auch noch jeweils ein oder mehrere. Ich hab noch keinen Kollegen erlebt, der nicht aus eigener Erfahrung von solchen Horrorgeschichten berichten kann! Oh, moment, stimmt gar nicht. Einer war überaus angetan von Zeitarbeit… toller Schnitt.
- Abgemeldet IST gekündigt! Kann zumindest aus meiner Erfahrung nichts anderes erzählen
- Das die ZAF verpixelt werden finde ich auch schade
- 2,8 % Übernahmeqoute halte ich aus meiner Erfahrung (und wieder stimmen mir viele Kollegen zu) für absolut realistisch
- Warum die BA nichts gegen Schwarze Schafe macht wird im Bericht beantwortet!
- Zeitarbeit IST Menschenhandel! Nein, es wird NICHT die Arbeitskraft eines Menschen gehandelt, sondern der Mensch an sich. Und ein Leiharbeiter geht auch nicht freiwillig zu ZAF sondern weil diese den Arbeitsmarkt zu ihren Gunsten so manipulieren, dass ihm keine andere Wahl bleibt!
Januar 20th, 2012 at 18:15
Ja, es gibt eine Menge schwarzer Schafe, aber: Nicht alle ZAFs sind schlecht http://www.marxautomation.de/pages/referenzen/mitarbeiterstimmen.php
Januar 24th, 2012 at 08:17
Ich denke das jeder gute und schlechte Erfahrungen gemacht in der Zeitarbeitsbranche, da ich selber auch mal Zeitarbeitsnehmer war, kenn ich also auch die andere Seite, und da gab es auch positives wie negatives, aber mal ehrlich, was erwartet jemand der zu einer Zeitarbeistfirma geht? Einen krisensicheren, dauerhaften, gut bezahlten Job, mit aussicht auf aufstiegschancen? Dazu kann ich nur sagen, stellt euch den Wecker, wacht auf, und drückt nicht die “snooze-Taste”. Jeder der als Leiharbeiter tätig ist, muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass er nicht ewig ein und die selbe Stelle hat. Klar macht man sich Hoffnungen das man übernommen wird, aber wenn man nur Auftragsspitzen abdeckt, steht da wohl kaum eine Festanstellung hinter.
So wie ich das einschätze und auch erfahren musste, meckern immer nur die ungelernten Menschen, die den Mindestlohn nur erreichen können, dazu kann ich nur sagen, versucht euch mal fortzubilden, oder Kurse abzuschliessen, dann wird man auf jeden Fall eine Zulage bekommen, oder eine Entgeltstufe höher eingestuft…, aber meckern ist ja immer einfacher, gelle?
Von der Marxautomation hab ich gehört und auch gelesen, tolles Konzept, aber auch nur mit einem dementsprechenden Background möglich, denk ich mir. Ich finde die (zumindest) 5 grossen Zeitarbeitsunternehmen sollten sich darüber mal gedanken machen, ob das nicht auch bei denen möglich ist.
Januar 27th, 2012 at 19:24
Ich frage mich was geschehen würde, wenn alle Leiharbeiter/Niedriglöhner einen regelmäßigen \
Februar 18th, 2012 at 12:00
BÜCK DICH HOCH – dieser Song passt zu den Deutschen wie der Deckel auf seinen Topf. Immer schön einen reinstecken lassen für 7,54 € brutto die Stunde, und alle machen mit. Die Deutschen schlucken und wachen immer viel zu spät auf, warum sollte es bei der neuen Seuche ZEITARBEIT also anders sein? Lieber ne rote Rosette, einen wunden Hals und wenig Geld in der Tasche, als mal auf die Strasse zu gehen und der Arroganz des Kapitals auf den Schlips zu treten?