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Es ging wie ein Lauffeuer durch die Medien: Marcus Schulz, Chef des  Personaldienstleisters USG People Germany, sprach in einem Interview mit der WirtschaftsWoche (Nr. 32 I 9.8.2010) über den Ruf der Zeitarbeits-Branche und über Tricks im Tagesgeschäft. Bernd Rath, Inhaber der BERA PERSONALdienstleistungen GmbH sekundierte im Artikel „Es geht auch anders“ (S. 37 ff.).

Das Gesagte wurde in der Branche stark unterschiedlich bewertet. Während die einen durchaus zustimmten, lehnten andere die Aussagen schlichtweg ab. Doch was genau haben Bernd Rath und Marcus Schulz gesagt, das so manchem die Zornesröte ins Gesicht steigen ließ?

Marcus Schulz prangerte den nicht korrekten Umgang mit Zeitarbeitnehmern, wie z. B. die vorsätzlich falsche Eingruppierung an. Diese hat zur Folge, dass Zeitarbeitnehmer weniger Stundenlohn erhalten, als sie eigentlich verdienen müssten.

Auch würden systematisch Tricks mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen angewendet, um „einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt“.

Bernd Rath sagte es kurz und knapp: „Es wird in vielen Unternehmen systematisch beschissen“.

Die Frage nach der Anzahl von Schwarzen Schafen in der Branche konnte Marcus Schulz jedoch nicht beantworten: „Es geht eben nicht nur um schwarze Schafe, sondern um Grautöne und Grauzonen, die in einigen Zeitarbeitsunternehmen im Alltagsgeschäft noch gang und gäbe sind.“

Beide blieben relativ vage, Zahlen wurden nicht genannt. Warum?

Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: weil selbst der Geschäftsführer eines sehr großen Personaldienstleisters genaue Zahlen nicht kennen kann!

Mit mehr als 16.000 Unternehmen/Niederlassungen ist die Branche derart umfangreich, dass eine Einzelperson – naturgemäß – nur einen kleinen Ausschnitt erlebt haben kann. Das gilt für die Arbeitgeberseite ebenso wie für Arbeitnehmer – selbst wenn sie bereits in mehreren Zeitarbeitsfirmen tätig waren.

Eine sinnvolle Option, die Erfahrungen Einzelner zusammenzutragen und daraus einen möglichst umfassenden Überblick zu gestatten, bietet DerZeitarbeits-Check.de. Hier können viele Aspekte der Zeitarbeitsbranche – positive und negative – zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.

Was ist nun die Quintessenz des Interviews mit Marcus Schulz?

Er weist darauf hin, dass es an der Branche und den einzelnen Unternehmen liege, den Missbrauch einzudämmen und die Tricks zu unterbinden. Hier sind die jeweils Verantwortlichen gefragt: Niederlassungs- und Regionalleiter, Revisionsverantwortliche, Geschäftsführer und Vorstände. Die Zeitarbeit habe „nicht nur Korrekturbedarf in der Kommunikation, sondern auch in der Art, wie manche arbeiten“, so Schulz.

Um nun nicht alles schlecht zu reden, sollte auch gesagt werden, dass es viele Personaldienstleister gibt, die nicht tricksen. Deren Verantwortliche haben verstanden, dass ihre Zeitarbeitnehmer nicht nur Mittel zum Zweck, sondern DIE Grundlage ihres Unternehmens sind. Ohne sie kann Zeitarbeit nicht funktionieren.

Allerdings sind auch die durchweg seriösen Zeitarbeitsfirmen oftmals nicht bekannt – doch genauso wie Schwarz und Grautöne gehört auch Weiß zu einem vollständigen Gesamtbild.

 

7 Kommentare

  • Kommentar von Pantera
    August 11th, 2010 at 12:17

    naja, der Marcus Schulz ist wohl immer noch dabei, die Wunden zu lecken, die ihm ein \

  • Kommentar von Christian IWanowski
    August 11th, 2010 at 15:23

    Es ist schön das auch aus dem Arbeitgeberlager mal einer die Mißstände anprangert. Uns Gewerkschaften wird ja immer schwarzmalerei vorgeworfen.

    Es sind halt nicht ein paar wenige schwarze Schafe, das sind die Extremfälle auf die sich die Presse gerne stürzt.

    Es sind diese alltäglichen Tricksereien die die Beschäftigten auf die Palme bringen.
    Ich glaube nicht, das die Branche das von alleine abstellt. Nur mit einem ordentlichen Bußgeldkatalog und mehr Kontrollen bzw. einer vernünftigen Beschwerdestelle für die Branche ist hier eine Veränderung möglich.

  • Kommentar von Hartwig Marx
    August 12th, 2010 at 11:38

    Zur Idee einer Beschwerdestelle: Als IQZ-zertifiziertes Unternehmen darf ich die Adresse hotinfo@iq-z.de empfehlen.

  • Kommentar von claudia
    August 12th, 2010 at 11:48

    Gerade ein GF weiß, dass von \\\\

  • Kommentar von Norbert Fuhrmann
    August 12th, 2010 at 13:42

    Das Interview mit Herrn Schulz steht im Zusammenhang mit einer kritischen Betrachtung des Journalisten Harald Schumacher. Dieser Journalist hat mehrfach in den letzten 12 Monaten kritisch die Zeitarbeit hinter den schönen Fassaden geschaut und manche Trickserei aufgedeckt (z.B. den “Fall Schlecker”).

    Es geht nicht darum, dass eine Branche “schlecht” geredet wird, sondern um die Erkenntnis, dass sich die Negativbeispiele häufen und eine ganze Branche mehr und mehr in Verruf gerät. Die Farbgebung zwischen grau-dunkelgrau-schwarz-tiefschwarz ist manchmal fließend. Was nicht dabei gesehen wird, ist die Tatsache, dass auf Grenzen überschritten werden, die strafrechtlich relevant werden. Das LG Magdeburg hat inzwischen das Unterschreiten von Mindestlöhnen als Straftat eingestuft. Und so was kommt nicht grade wenig vor, wovon 2139 Bußgeldbescheide zeugen.

    Kritik ist berechtigt und sollte nicht verharmlost werden.

    Natürlich gibt es auch seriöse Firmen in der Zeitarbeit. Das behaupten zwar viele, aber sind Aussagen wirklich belastbar? Halten sie einer Überprüfung stand? Hier ist ein Thema gefrag: Glaubwürdigkeit! Wir sind durch viele negativbeispiele an einem Punkt angekommen, wo die Glaubwürdigkeit vielen in der Branche von außen abgesprochen wird.

    Was kann getan werden? Wie kann ich objektiv meine Glaubwürdigkeit nachweisen?

    Die IQZ hat Qualitätsstandards entwickelt und führt umfangreiche Prüfung dieser Kriteren durch. Bei einem positiven Ergebnis wird ein Qualitätssiegel Zeitarbeit vergeben. Diese Prüfungen werden jedes Jahr wiederholt. Somit ist es möglich, sich von den Grau-Schwarzen Schafen abzusetzen.

    Jeder der sich selber als sauber und fairer Arbeitgeber bezeichnet, kann seine Aussage durch eine solche Zertifizierung belastbar machen.

    Es besteht also ein Möglichkeit sich objektiv abzusetzen.

  • Kommentar von Oliver Repp
    August 12th, 2010 at 15:14

    Ich gebe Herrn Fuhrmann recht, dass oftmals Grenzen überschritten werden, die nicht nur den Tatbestand “Kavaliersdelikt” erfüllen oder auf Unwissenheit zurückzuführen sind.

    Es muss etwas geschehen und das IQZ-Gütesiegel (http://www.iq-z.com/) hat das gleiche Ziel wie DerZeitarbeits-Check.de:

    ORDENTLICHE Zeitarbeit!

    Der Hinweis zu H. Schumacher ist übrigens klasse und wird hier gerne aufgenommen:

    http://www.wiwo.de/autor/harald-schumacher/

  • Kommentar von Weiss Wolfgang
    November 26th, 2011 at 08:22

    Man sollte man genau prüfen wieviele Politiker in den Vorständen bei Zeitarbeitsfirmen sitzen.
    Ich denke dass dann langsam klar wird warum sich die Politik nicht auf einen sogenannten Mindestlohn festlegen will.
    Mit den Löhnen der Zeitarbeitsfirmen wird man nicht zum Arbeitnehmer sondern nur zu einem Aufstoocker, weil das Lohnniveau nicht zum Leben reicht.

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