Hm, der Artikel Nicht auf festem Boden im Tagesspiegel lässt mich das Thema “Zeitarbeit” unter ganz neuer Perspektive sehen. Inzwischen sind ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit-, Zeitarbeit- befristeten Jobs oder als geringfügig Beschäftigte tätig. Die IG Metall sagt voraus, dass die Zahl der Leiharbeiter auf 2,5 Millionen ansteigen wird.
Werden diese “außergewöhnlichen” Beschäftigungsverhältnisse zukünftig „Normalfall“ statt wie bisher Ausnahme?
„Das, was wir als Normalarbeitsverhältnis bezeichnen, ist möglicherweise eine historische Ausnahmeerscheinung“, sagt Hilmar Schneider, Arbeitsmarktforscher am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit. Schneiders Diagnose deckt sich mit den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Zwischen 1998 und 2008 hat die Zahl der Menschen, die in Deutschland in „atypischen“ Beschäftigungsverhältnissen stehen, deutlich zugenommen, während immer weniger Arbeitnehmer einen „typischen“, also unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag haben.
Der Sozialforscher Stephan Leibfried sieht diese Gefahr nicht, er schätzt:
„Über 30 bis 35 Prozent wird der Anteil nicht hinausgehen.“
Andere sehen die Entwicklung in Richtung flexiblerer Arbeitsmarkt gar nicht als Gefahr sondern als Vorteil. Denn für viele Arbeitslose sind befristete oder Leiharbeits-Arbeitsverhältnisse die Brücke in unbefristete Jobs. Einig sind sich viele Experten darin, dass ein befristeter oder Zeitarbeitjob deutlich besser sei als gar kein Job – und viele Jobs gibt es überhaupt nur durch diese Möglichkeiten.
Ulrich Walwei, Vizedirektor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung meint:
„Wenn wir die atypische Arbeit nicht hätten, wie fänden wir dann gerade für den harten Kern der Arbeitslosen Zugänge in die Beschäftigung?“
Andererseits sieht auch Walwei noch deutlichen Verbesserungsbedarf und führt als Beispiel die Leiharbeit an, die noch nicht wirklich als „Brücke“ ins normale Arbeitsverhältnis funktioniert. Aber es sollen nicht die atypischen Beschäftigungsformen eingeschränkt werden sondern
er will die „Brücken“ ausbauen. Er sagt, entscheidend sei, welche Perspektiven man anbiete. „Sind die Arbeitsmarktinstitutionen so aufgestellt, dass Brückeneffekte leicht erreicht werden können? Sind die Menschen auf Flexibilität vorbereitet?“ Walwei schlägt einen ganzheitlichen Ansatz vor, „mit weitgehenden Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Betreuung von Kindern und Alten – und zur ständigen Weiterqualifizierung“. Denn je kompetenter ein Arbeitnehmer sei, desto flexibler könne er sich auf dem Markt bewegen.
Das hört sich für mich ziemlich vernünftig an:
Untypische Arbeitsverhältnisse
- nicht mehr als menschenunwürdig verdammen und abschaffen sondern
- sie so zu gestalten, dass sie für alle Beteiligten nützlich und gut auszuhalten sind und
- daran zu arbeiten, dass der Sprung zu regulären Arbeitsverhältnissen für Unternehmen und Arbeitnehmer erleichtert wird.
Foto: Elke Salzer, pixelio














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