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KOM
 

Hm, ich denke, ich brauche mich eigentlich nicht groß verbal zu ereifern. Ich liste Ihnen einfach ein paar Fakten zum neuen “Geschäftsmodell” von Schlecker, dann können Sie sich selbst ein Bild machen.

Die Vorgeschichte: Die Kette des Unternehmers Anton Schlecker hatte bisher etwa 30.000 kleine Drogerie-Filialen in Deutschland. Die recht eng und mit kleinerem Warensortiment ausgestattet waren als die der Mitbewerber “Rossmann” oder “DM”. Also wird es jetzt größere Filialen geben, die Schlecker-XL-Märkte. Soweit, so gut.

Für diese XL-Märkte gründete Schlecker eigens eine Tochtergesellschaft: die Schlecker XL GmbH. Die übrigens in demselben Haus residiert wie der Mutterkonzern.

Laut der Gewerkschaft ver.di werden für die Eröffnung eines neuen XL-Marktes durchschnittlich drei bis vier der bisherigen AS-Filialen geschlossen. Die Mitarbeiter werden – entlassen. “Übernommen” werden müssen sie ja nicht, die XL-Märkte gehören ja einer anderen Gesellschaft als die bisherigen AS-Filialen. Übrigens eröffnen viele der neuen XL-Märkte in den Räumen der bisherigen AS-Filialen, aber das nur am Rande.

Schlecker sucht nun neue Mitarbeiterinnen für die neuen Märkte. Zu “etwas” anderen Arbeitsbedingungen als die der bisherigen Mitarbeiter. Der Stern zählt auf:

Niedriglöhne statt Tarifzahlung: Die neuen Schlecker XL-Mitarbeiterinnen erhalten nur rund die Hälfte des Brutto-Gehalts der langjährigen AS-Schlecker-Mitarbeiterinnen, also statt 12,67 Euro nur noch ab 6,61 Euro,

Weihnachts- und Urlaubsgeld wurden gestrichen,

und statt 30 bezahlten Urlaubstagen, haben die neuen Mitarbeiterinnen nur 24 bezahlte Urlaubstage.

Außerdem gründete Schelcker von eine weitere Tochtergesellschaft, die Meniar Personal GmbH in Zwickau – eine Zeitarbeitfirma.

Mona Frias Rodriguez, Schlecker-Betriebsratsvorsitzende, sagt dazu auf der Pressekonferenz im Berliner Karl-Liebknecht-Haus:

Damit ging es los mit der Tarifflucht. Die Leute dort verdienen ca. 6,50 € die Stunde. Dann wurde die nächste Tochtergesellschaft gegründet, die Meniar Arbeiternehmerüberlassung. Die Meniar hat einen Tarifvertrag mit den christlichen Gewerkschaften, rühmen sich natürlich, Tarifgehalt bei 6,78 € die Stunde zu zahlen. Eine Filialleiterin hat dann 7,11 €. Vollzeit ist Fehlanzeige. Es wird überwiegend Teilzeit eingestellt. Diese prekären Beschäftigungen, die hochflexibel einzusetzenden Leute – Schlecker wünscht ja die hochflexible Einsetzbarkeit, Telefonanruf, sie möchten bitte dort oder dorthin kommen -, die sachgrundlosen Befristungen, jetzt noch die Leiharbeit und, was für uns ein großes Problem ist, die Einerbesetzung in den Verkaufsstellen. So sind die Kolleg/inn/en vor Überfällen in ihren Verkaufsstellen einfach nicht sicher.

Vielleicht ist dieser Punkt neben allen anderen Ungeheurlichkeiten nicht so wichtig, aber: Ein solches Verfahren rückt auch mal wieder die Zeitarbeit in ein denkbar schlechtes Licht. Bewerten können Sie auch diese Zeitarbeitfirma natürlich auf dem Portal DerZeitarbeits-Check.de

Was die Folgen von Schleckers Geschäftsgebarens angeht, sei noch einmal Der Stern zitiert:

Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass mehr als 1000 Mitarbeiter von einer Kündigung betroffen sind, darunter vor allem Frauen. Für viele von ihnen geht es um ihre Existenz.

Welche Folgen kann das für die Branche haben?
Sollte sich Schlecker XL mit seinen Lohnsenkungen durchsetzen, bekommt das womöglich auch die ganze Drogeriemarkt-Branche zu spüren: Andere Unternehmen könnten dann gezwungen sein, ihre Arbeitsbedingungen ebenfalls zu verschlechtern.

Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre bringt eigentlich alles auf den Punkt (im zweiten Teil des K1-Magazins, den Sie unten sehen können und unbedingt sehen sollten): “Ja, man hat hier wirklich ganz tief in die Trickkiste gegriffen.”

Hier ist ein Beitrag in zwei Parts aus dem K1-Magazin, das das “neue Geschäftsmodell” von Schlecker sehr gut beschreibt und kommentiert. Machen Sie sich also selbst ein Bild.

Hier sind weitere Links zum Thema:
Stern.de: Neues Geschäftmodell: Kleine Löhne bei Schlecker-XL

WDR: 6,50 € die Stunde oder arbeitslos

Wikipedia: Stichwort Schlecker

 

2 Kommentare

  • Kommentar von PeterPan
    September 18th, 2009 at 12:29

    Unglaublich, das ist eine Frechheit. Gut, dass das öffentlich gemacht wird!
    Gewerkschaften an die Front! Das muss enden!

  • Kommentar von wilderWilli
    September 23rd, 2009 at 14:41

    Unglaublich das das legal in Deutschland durchgeführt werden kann. Jetzt dauert es wieder Monate oder Jahre bis unsere unfähigen Politiker das Thema erfassen und umsetzten. Diese Gesetzeslücken für solche Schergen sollten geschlossen werden. Pfui Schlecker!

    Ich rufe zum Boykot der Gruppe Schlecker auf. Wir sind die die dort kaufen und diesen Moloch dadurch unterstützen.
    Finger weg von Schlecker Produkten.

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