Archive für die Kategorie 'Zeitarbeits-Diskussion'

Sep
09
KOM
 

Das BMAS hat am 03.09.2010 den Entwurf eines Gesetzes zur Verhinderung von Missbrauch der Arbeitnehmerüberlassung vorgelegt. Dieser Gesetzentwurf ist die Überarbeitung eines Diskussionsentwurfs aus Juni 2010.

Allerdings beschränkt sich der vorgelegte Gesetzentwurf auf die Festlegung einer „Anti-Schlecker-Regelung“ sowie die Umsetzung der Zeitarbeitsrichtlinie in das deutsche Recht. Eine Regelung zum Mindestlohn in der Zeitarbeit ist in diesem Entwurf noch nicht enthalten. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die abschließende politische Entscheidung dazu noch nicht getroffen worden ist, weil die FDP noch nicht von der Notwendigkeit der Einführung eines Tarif-Mindestlohnes in der Zeitarbeitsbranche überzeugt ist.

Im Wesentlichen sieht der Referentenentwurf folgende Änderungen im AÜG vor:

  • Die sog. „Missbrauchsklausel“ entspricht im Grundsatz dem im Diskussionsentwurf enthaltenen Regelungsvorschlag. Danach sollen abweichende tarifliche Regelungen nicht für Zeitarbeitnehmer gelten, die in den letzten sechs Monaten vor der Überlassung an den Einsatzbetrieb aus einem Arbeitsverhältnis bei diesem oder einem mit diesem einen Konzern im Sinne des § 18 Aktiengesetz bildenden Arbeitgeber ausgeschieden sind. Mit dem Verzicht auf die Einbeziehung Ausgebildeter ist einer Forderung der BDA und der Zeitarbeitsverbände nachgekommen worden.
  • Bei den Vorschlägen zur Umsetzung der Zeitarbeitsrichtlinie entspricht der Referentenentwurf im Wesentlichen dem Diskussionsentwurf. So soll das Merkmal der Gewerbsmäßigkeit in § 1 Abs. 1 AÜG unverändert ersetzt werden durch “im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit”. Eine solche Änderung erweitert den Anwendungsbereich bspw. auf Fälle, in denen keine Gewinnerzielungsabsicht besteht.
  • Die Änderung der Vermutungsregelung (§ 1 Abs. 2 AÜG) soll zu Gunsten der Arbeitsvermittlung ausgeweitet werden. Eine Arbeitsvermittlung soll immer dann zu vermuten sein, wenn die Überlassung nicht nur vorübergehend erfolgt.
  • Festgehalten wird an der Streichung der 6-Wochen-Ausnahme für den Fall der Überlassung eines zuvor arbeitslosen Zeitarbeitnehmers sowie an der Pflicht, dass der Einsatzbetrieb Zeitarbeitnehmer über zu besetzende Arbeitsplätze im Einsatzunternehmen zu unterrichten hat. Unverändert sollen Einsatzbetriebe auch verpflichtet werden, den in ihrem Betrieb beschäftigten Zeitarbeitnehmern Zugang zu den Gemeinschaftseinrichtungen oder -diensten im Unternehmen unter den gleichen Bedingungen zu gewähren wie vergleichbaren Arbeitnehmern im Betrieb. Auch die Änderungen zum Konzernprivileg, die Regelung zur Unwirksamkeit von Vereinbarungen mit Zeitarbeitnehmern über Vermittlungsgebühren und die Regelungen zu den Ordnungswidrigkeiten bleiben wie im Diskussionsentwurf bestehen.

Herausgenommen aus dem ursprünglichen Diskussionsentwurf wurde die vom iGZ in seiner Stellungnahme kritisierte Änderung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes zur Geltung von dort vorgesehenen Branchenmindestlöhnen auch in der Zeitarbeit, selbst wenn der betriebliche Geltungsbereich des Tarifvertrags nicht eröffnet sein müsse.

Das Gesetz soll nach der parlamentarischen Beratung / Verabschiedung am 1. Mai 2011 in Kraft treten.

iGZ begrüßt das angestrebte Ziel einer Verhinderung von “Drehtüreffekten” zur Verschlechterung von Arbeitsbedingungen mittels Zeitarbeit

iGZ-Hauptgeschäftsführer RA Werner Stolz: “Der Gesetzentwurf ist eine vernünftige Basis, Umgehungstatbestände in der Zeitarbeit zukünftig zu vermeiden und bisherige Missbrauchs-Schlupflöcher zu schließen. Auf der anderen Seite bleibt die Flexibilität der Zeitarbeit erhalten und kann deshalb auch in Zukunft seine stabilisierende Wirkung für den Arbeitsmarkt erhalten”.

Der iGZ ist gebeten worden, bis zum 23. September 2010 zu dem Referentenentwurf Stellung zu nehmen.

RA Werner Stolz (iGZ-Hauptgeschäftsführer)

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Den AÜG-Änderungsentwurf und das bisherige Medienecho finden Sie unter

www.ig-zeitarbeit.de/artikel/7175

Der Gastautor, Herr RA Werner Stolz, ist Hauptgeschäftsführer des

Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen – iGZ e.V.

 
Aug
11
KOM
 

Es ging wie ein Lauffeuer durch die Medien: Marcus Schulz, Chef des  Personaldienstleisters USG People Germany, sprach in einem Interview mit der WirtschaftsWoche (Nr. 32 I 9.8.2010) über den Ruf der Zeitarbeits-Branche und über Tricks im Tagesgeschäft. Bernd Rath, Inhaber der BERA PERSONALdienstleistungen GmbH sekundierte im Artikel „Es geht auch anders“ (S. 37 ff.).

Das Gesagte wurde in der Branche stark unterschiedlich bewertet. Während die einen durchaus zustimmten, lehnten andere die Aussagen schlichtweg ab. Doch was genau haben Bernd Rath und Marcus Schulz gesagt, das so manchem die Zornesröte ins Gesicht steigen ließ?

Marcus Schulz prangerte den nicht korrekten Umgang mit Zeitarbeitnehmern, wie z. B. die vorsätzlich falsche Eingruppierung an. Diese hat zur Folge, dass Zeitarbeitnehmer weniger Stundenlohn erhalten, als sie eigentlich verdienen müssten.

Auch würden systematisch Tricks mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen angewendet, um „einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt“.

Bernd Rath sagte es kurz und knapp: „Es wird in vielen Unternehmen systematisch beschissen“.

Die Frage nach der Anzahl von Schwarzen Schafen in der Branche konnte Marcus Schulz jedoch nicht beantworten: „Es geht eben nicht nur um schwarze Schafe, sondern um Grautöne und Grauzonen, die in einigen Zeitarbeitsunternehmen im Alltagsgeschäft noch gang und gäbe sind.“

Beide blieben relativ vage, Zahlen wurden nicht genannt. Warum?

Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: weil selbst der Geschäftsführer eines sehr großen Personaldienstleisters genaue Zahlen nicht kennen kann!

Mit mehr als 16.000 Unternehmen/Niederlassungen ist die Branche derart umfangreich, dass eine Einzelperson – naturgemäß – nur einen kleinen Ausschnitt erlebt haben kann. Das gilt für die Arbeitgeberseite ebenso wie für Arbeitnehmer – selbst wenn sie bereits in mehreren Zeitarbeitsfirmen tätig waren.

Eine sinnvolle Option, die Erfahrungen Einzelner zusammenzutragen und daraus einen möglichst umfassenden Überblick zu gestatten, bietet DerZeitarbeits-Check.de. Hier können viele Aspekte der Zeitarbeitsbranche – positive und negative – zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.

Was ist nun die Quintessenz des Interviews mit Marcus Schulz?

Er weist darauf hin, dass es an der Branche und den einzelnen Unternehmen liege, den Missbrauch einzudämmen und die Tricks zu unterbinden. Hier sind die jeweils Verantwortlichen gefragt: Niederlassungs- und Regionalleiter, Revisionsverantwortliche, Geschäftsführer und Vorstände. Die Zeitarbeit habe „nicht nur Korrekturbedarf in der Kommunikation, sondern auch in der Art, wie manche arbeiten“, so Schulz.

Um nun nicht alles schlecht zu reden, sollte auch gesagt werden, dass es viele Personaldienstleister gibt, die nicht tricksen. Deren Verantwortliche haben verstanden, dass ihre Zeitarbeitnehmer nicht nur Mittel zum Zweck, sondern DIE Grundlage ihres Unternehmens sind. Ohne sie kann Zeitarbeit nicht funktionieren.

Allerdings sind auch die durchweg seriösen Zeitarbeitsfirmen oftmals nicht bekannt – doch genauso wie Schwarz und Grautöne gehört auch Weiß zu einem vollständigen Gesamtbild.

 
Jul
29
KOM
 

Perrsonalagentur »Fair & Findig« befürwortet den Equal Pay-Grundsatz

»Fair & Findig«

Mit der Gründung der Personalagentur möchte das Team der »Fair & Findig« GmbH sein eigenes Unternehmenskonzept verwirklichen. Das Trio, Silvia Hillebrand sowie die Schwestern Evelyn und Incila Dogan, verfügt zusammen über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Zeitarbeit.

Es werden Fachkräfte aus dem kaufmännischen, medizinisch- und gewerblichen Bereich vermittelt und überlassen. Fachkräfte, die als Zeitarbeitnehmer bei Kunden diverser Branchen eingesetzt werden, zeichnen sich durch fundiertes Know-how, Veränderungsbereitschaft sowie ein hohes Maß an Flexibilität aus.

Bei »Fair & Findig« spielen Wertschätzung und Respekt eine elementare Rolle. Vor diesem Hintergrund ist das Team Befürworter des Equal Pay-Grundsatzes, nach dem Zeitarbeitnehmer bei einer vergleichbaren Qualifikation dieselbe Vergütung wie Neueinsteiger in der Direkteinstellung erhalten.

»Wir vertreten den Standpunkt, dass Menschen gerecht entlohnt werden und im sozialen Umfeld der Kundenunternehmen gänzlich integriert werden müssen. Unsere Mitarbeiter haben das Recht, sich bei der Arbeit genauso zu Hause zu fühlen und anerkannt zu werden wie ihre Kollegen aus der Stammbelegschaft «, sagt »Fair & Findig«-Geschäftsführerin Silvia Hillebrand. »Wir wollen den Weg für Equal Pay ebnen und gehen mit unseren Kunden in den Dialog. Nur wenn der Kunde und das Zeitarbeitsunternehmen gemeinsam dieses Ziel verfolgen, sind die Voraussetzungen dafür geschaffen.«

Durch die Optimierung des eigenen Geschäftsablaufs, das heißt die Lohn- und Finanzbuchhaltung im eigenen Haus und ein flexibel einsetzbares internes Team, fließt diese Kosteneinsparung bei der Firma »Fair & Findig« direkt als Zulage zu dem im iGZ-Tarifvertrag festgelegten Stundenlohn.

Selbstverständlich ist »Fair & Findig« bereit, den Kunden, die Wert auf die Gleichbehandlung ihrer Mitarbeiter legen, ihre Preiskalkulation transparent offen zu legen. Diese Preiskalkulation wird dem Stundenlohn des Mitarbeiters fair angepasst.

Als weiteren Arbeitsbereich bietet »Fair & Findig« einen Lohn- und Gehaltsabrechnungs- Service für kleine und mittelgroße Betriebe an.

Das Team der »Fair & Findig« GmbH

Das Team der »Fair & Findig« GmbH: Silvia Hillebrand (Mitte) sowie Evelyn und Incila Dogan

 
Feb
20
KOM
 

reichstagEin ‘bisschen’ spät, um einen heftigen Imageschaden noch abzuwenden: Die Drogeriekette Schlecker beendet nach den Lohndumping-Vorwürfen die ‘Zusammenarbeit’ mit der Leiharbeitsfirma Meniar – wobei ich das Wort ‘Zusammenarbeit’ hier formaljuristisch angewendet empfinde, ist Meniar doch eine Tochter Schleckers.

In diesem Blog war Schlecker ja schon mehrfach Thema:

Schlecker hebelt Arbeitnehmerrechte aus – wirklich unglaublich!

Arbeitsminister Naumann unterstützt Proteste gegen Schlecker XL

Die ‘Methode Schlecker’ Thema bei Anne Will am 24.01.2010

Aber wie auch immer.

Wie in Epoch Times am 12.01.2010 zu lesen, habe man seitens Schlecker

die öffentliche Diskussion um die Beschäftigung von Meniar-Leiharbeitern „bisher nicht nachvollziehen können“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens am Montagabend in Ehingen. Um die Diskussion zu beenden, habe Schlecker jedoch beschlossen, mit sofortiger Wirkung keine neuen Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit Meniar mehr abzuschließen.

Nicht nur in der Öffentlichkeit war Schlecker massiv unter Druck geraten, weil das Unternehmen seine Festangestellten zum Teil durch Meniar-Zeitarbeiter ersetzte, die nur die Hälfte des üblichen Gehalts bekommen. Auch die Bundesregierung wurde auf den Fall aufmerksam.

Epoch Times weiter:

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an. Möglicher Missbrauch von Leiharbeit soll notfalls mit schärferen Gesetzen eingedämmt werden. Von der Leyen betonte zugleich, ihr sei wichtig, dass nun das an sich gute Modell der Zeitarbeit nicht in Misskredit gerate. Viele Jobsuchende hätten dadurch überhaupt nur eine Chance am Arbeitsmarkt.

Am 19.02.2010 berichtet Epoch Times, dass man auf politischer Ebene inzwischen tatsächlich tätig geworden ist:

Die Union im Bundestag hat konkrete Vorschläge vorgelegt, wie der massenhafte Missbrauch der Zeitarbeit in Deutschland eingedämmt werden könnte. Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe, Peter Weiß, forderte am Freitag in Berlin eine Verschärfung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Künftig sollten Leiharbeiter längstens ein Jahr für weniger Lohn als die Stammbelegschaft arbeiten dürfen. Zudem müsse festgelegt werden, wie hoch die Abweichung vom Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ maximal ausfallen darf, sagte er.

Weiß forderte, die Kontrolle der Branche müsse dringend verschärft werden. „Wenn Zeitarbeit nur dazu dient, Lohndumping zu betreiben, hat sie ihre Berechtigung verloren.“ Weiß sagte, Leiharbeiter müssten nicht zwangsläufig im Nachteil sein. Er könne sich gut vorstellen, dass Firmen wegen Fachkräftemangel im nächsten Aufschwung sogar Lohnzuschläge für Zeitarbeiter als Ausgleich für die unsichere Beschäftigung zahlen.

Ich bin gespannt, wie das weitergeht…

Foto: Brigitte Niedermeier, pixelio

 
Nov
30
KOM
 

ja_neinSehr interessante Gegenüberstellung, die es bei WDR online zu lesen gibt. Zwei Unternehmer berichten über Zeitarbeit. Über ihre Ansichten dazu und Erfahrungen damit. Spannend daran: Der eine Unternehmer hat gute Gründe, Zeitarbeit zu befürworten, der andere hat ebenso triftige Argumente, Zeitarbeit in seinem Betrieb abzulehnen.

Ulrich Schümer, Vorstandsmitglied beim Fahrzeughersteller Schmitz Cargobull sagt: “Leiharbeit macht uns flexibel.”

Sein Unternehmen fängt mit Leiharbeitern Ausfallzeiten fester Mitarbeiter ab und federt höheren Mitarbeiter-Bedarf in Auftragsspitzenzeiten oder konjunkturellen Hochs mit ihnen ab. Er verwendet dafür den schönen Begriff “atmende Fabrik“.
Der Umgang mit Zeitarbeitern in diesem Unternehmen klingt sehr fair: Viele Zeitarbeiter werden übernommen; wenn Boni ausbezahlt werden, profitieren auch die Leiharbeiter davon und außerdem arbeitet das Unternehmen nur mit Leiharbeitsunternehmen zusammen, die Tariflöhne zahlen.

Dagegen lehnt Martin Kümmerling, Geschäftsführer der Kunststoffe bedruckenden Firma Kolbe das Prinzip Zeitarbeit ab: “Da beißt sich die Katze in den Schwanz.”

Kümmerling befürchtet, dass Leiharbeiter nicht ausreichend qualifiziert für die Arbeit in seinem Unternehmen sind und er sorgt sich um den Kundenschutz: Es soll nicht nach außen dringen, für welche Kunden das Unternehmen arbeitet. Außerdem geht er davon aus, dass die geringer bezahlten Leiharbeiter nicht so motiviert arbeiten wie höher bezahlte Festangestellte. Dadurch könnten Arbeitstempo und Produktqualität leiden, wodurch der Ruf des Unternehmens und die Auftragslage Schaden nähmen. Und der Kostenvorteil durch die preiswerteren Leiharbeiter würde dadurch wieder zunichte gemacht, dass die Leiharbeiter eben oft neu im Unternehmen sind und zeitintensiv eingearbeitet werden müssen.

Sehr sachliche Argumentation von beiden Seiten. Gefällt mir gut. So kann man sich doch beiden Seiten öffnen, ohne dass man gleich mit innerem Widerstand zu kämpfen hat, weil Befürworter oder Ablehner der Zeitarbeit nur unsachlich “rumpöbeln”.

Foto: Judith Lisser-Meister, pixelio

 
Sep
06
KOM
 

qualifizierung_02_09_09Am vergangenen Mittwoch, 2. September hatte DerZeitarbeits-Check.de ins Schulungszentrum des TÜV Nord Hamburg zu einer Veranstaltung zu Thema Mitarbeiter-Qualifizierung eingeladen:

Qualifizierung speziell für die Zeitarbeit

Es wurde ein Nachmittag voller Überraschungen, aufschlussreicher Erkenntnisse und wirklich spannender Gespräche. Es ging für gleich los mit der ersten Überraschung: Über 40 (!) Verantwortliche aus Zeitarbeits- und Weiterbildungsunternehmen kamen und tauchten schon vor der eigentlichen Eröffnung in angeregte Gespräche miteinander ein.

Nach der Begrüßung durch Oliver Repp gab es 4 Kurzvorträge zu hören und zu sehen:

Thomas Mesenich, Teamleiter des Zeitarbeitsteams der Agentur für Arbeit Hamburg, erläuterte: Welche Förderungsmöglichkeiten durch die Bundesagentur für Arbeit gibt es zur Qualifizierung von Zeit- und Kurzarbeitern?
Er erklärte Details der Programme WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) und KUG (Kurzarbeitergeld).

Rolf Schoras berichtete, dass und wie sein Unternehmen Jobpower „Qualifizierung als Karrierechance für gewerbliche Hilfskräfte“ begreift.

Frau Harms und Frau Staats stellten das Zeitarbeitunternehmen Randstad vor. Am Beispiel der Flugzeugbranche sprachen sie über Qualifizierung von Mitabeitern und die positiven Folgen davon.

Sehr inspirierend war die Präsentation der „Langen Nacht der Industrie“ von Jürgen Henke, Geschäftsführer von prima events. Dieses Event hat viele Nutzen, Herr Henke stellte – passend zum Thema der Veranstaltung – in seiner Präsentation die Möglichkeit „unkonventionell Fachkräfte zu finden“ besonders heraus.

Wirklich spannend war die abschließende Diskussion, bei der im Podium verschiedene Weiterbildungsträger saßen.  Natürlich konnte in dieser Diskussion keines der benannten Probleme abschließend gelöst werden, aber es kristallisierten sich Fragestellungen heraus, die vielleicht im weitergehenden Dialog von Zeitarbeitunternehmen und Weiterbildnern gelöst werden können:

Die Weiterbildner haben oft das Problem, für angebotene Kurse nicht genügend Teilnehmer zu bekommen. Eine mögliche Abhilfe wäre eine stärkere Vernetzung dieser beiden Gruppen. Dann wüssten die Zeitarbeitunternehmen besser, was angeboten wird und könnten ihre Leiharbeiter rechtzeitig zu Maßnahmen anmelden. Außerdem könnten sich durch intensiveren Austausch die Weiterbildner auf die tatsächlichen Qualifizierungs-Bedarfe der Zeitarbeitunternehmen einstellen. Ergebnis eines besseren Networkings zwischen diesen beiden Gruppen wäre also ein besseres Zusammenpassen von Angebot und Nachfrage.

In der Diskussion wurde z. B. geäußert, dass kaum ein Zeitarbeitunternehmen es sich leisten kann, Zeitarbeiter für sehr lange Qualifizierungsmaßnahmen über mehrere Monate am Stück freizustellen. Zumal die Maßnahmen sehr selten so aufgebaut sind, dass Unterbrechungen möglich sind, weil Teilnehmer akut von einem Entleihunternehmen gebraucht werden.

Das Thema „sich eine Qualifizierung nicht leisten können“ reichten die Diskussionsteilnehmer auch gleichzeitig an die Bundesanstalt für Arbeit weiter: Sie monierten, dass die Förderungen der BA zu niedrig seien, um Qualifizierungsmaßnahmen von Zeitarbeitern finanziell handhabbar zu machen.

Zwecks besserer Vernetzung zwischen Zeitarbeitunternehmen und Weiterbildnern wurde angeregt, zum Beispiel die verschiedenen Verbände in die Kommunikation einzubeziehen.

Worüber – und da sage ich: leider – in der Diskussion selbst nicht gesprochen wurde, waren die Bedürfnisse der Weiterbildungs-Teilnehmer selbst. Es wird oft geklagt, dass sich zu Wenige für Weiterbildung und Qualifizierung interessieren. Wie ich ja im Artikel Weiterbildung per Daumenschraube? schon schrieb, überlegt man sogar, Weiterbildungsmaßnahmen gesetzlich verpflichtend zu machen.

Wäre ich Weiterbildner, würde ich diese Klagen und Überlegungen der Politik zum Anlass nehmen, zu überlegen, wie ich meine Qualifizierungsmaßnahmen so attraktiv, qualitativ gut, motivierend, spannend… gestalten kann, dass mehr Teilnehmer von allein kommen. Und wie ich die Maßnahmen so gestalte, dass die Teilnehmer währenddessen hochmotiviert sind und die Maßnahme mit dem Gefühl abschließen, etwas wirklich Tolles mitgemacht zu haben.

Damit würde gleichzeitig auch ein Teil des Problems der zu geringen Teilnehmerzahlen in Weiterbildungsmaßnahmen angegangen: Begeisterte Teilnehmer empfehlen die Maßnahmen nämlich weiter. Und Empfehlungsmarketing ist, wie wir alle wissen, einer der besten Umsatzbeschleuniger.

 
Aug
23
KOM
 

brueckeHm, der Artikel Nicht auf festem Boden im Tagesspiegel lässt mich das Thema “Zeitarbeit” unter ganz neuer Perspektive sehen. Inzwischen sind ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit-, Zeitarbeit- befristeten Jobs oder als geringfügig Beschäftigte tätig. Die IG Metall sagt voraus, dass die Zahl der Leiharbeiter auf 2,5 Millionen ansteigen wird.

Werden diese “außergewöhnlichen” Beschäftigungsverhältnisse zukünftig „Normalfall“ statt wie bisher Ausnahme?

„Das, was wir als Normalarbeitsverhältnis bezeichnen, ist möglicherweise eine historische Ausnahmeerscheinung“, sagt Hilmar Schneider, Arbeitsmarktforscher am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit. Schneiders Diagnose deckt sich mit den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Zwischen 1998 und 2008 hat die Zahl der Menschen, die in Deutschland in „atypischen“ Beschäftigungsverhältnissen stehen, deutlich zugenommen, während immer weniger Arbeitnehmer einen „typischen“, also unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag haben.

Der Sozialforscher Stephan Leibfried sieht diese Gefahr nicht, er schätzt:

„Über 30 bis 35 Prozent wird der Anteil nicht hinausgehen.“

Andere sehen die Entwicklung in Richtung flexiblerer Arbeitsmarkt gar nicht als Gefahr sondern als Vorteil. Denn für viele Arbeitslose sind befristete oder Leiharbeits-Arbeitsverhältnisse die Brücke in unbefristete Jobs. Einig sind sich viele Experten darin, dass ein befristeter oder Zeitarbeitjob deutlich besser sei als gar kein Job – und viele Jobs gibt es überhaupt nur durch diese Möglichkeiten.

Ulrich Walwei, Vizedirektor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung meint:

„Wenn wir die atypische Arbeit nicht hätten, wie fänden wir dann gerade für den harten Kern der Arbeitslosen Zugänge in die Beschäftigung?“

Andererseits sieht auch Walwei noch deutlichen Verbesserungsbedarf und führt als Beispiel die Leiharbeit an, die noch nicht wirklich als „Brücke“ ins normale Arbeitsverhältnis funktioniert. Aber es sollen nicht die atypischen Beschäftigungsformen eingeschränkt werden sondern

er will die „Brücken“ ausbauen. Er sagt, entscheidend sei, welche Perspektiven man anbiete. „Sind die Arbeitsmarktinstitutionen so aufgestellt, dass Brückeneffekte leicht erreicht werden können? Sind die Menschen auf Flexibilität vorbereitet?“ Walwei schlägt einen ganzheitlichen Ansatz vor, „mit weitgehenden Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Betreuung von Kindern und Alten – und zur ständigen Weiterqualifizierung“. Denn je kompetenter ein Arbeitnehmer sei, desto flexibler könne er sich auf dem Markt bewegen.

Das hört sich für mich ziemlich vernünftig an:
Untypische Arbeitsverhältnisse

  • nicht mehr als menschenunwürdig verdammen und abschaffen sondern
  • sie so zu gestalten, dass sie für alle Beteiligten nützlich und gut auszuhalten sind und
  • daran zu arbeiten, dass der Sprung zu regulären Arbeitsverhältnissen für Unternehmen und Arbeitnehmer erleichtert wird.

Foto: Elke Salzer, pixelio

 
Aug
12
KOM
 

schwarzesSchafIch fand gestern einen Artikel in einer Tageszeitung, die nicht gerade zu den Top 10 in Deutschland gehört. Oder lesen Sie regelmäßig die Borkener Zeitung? Noch dazu fand der Artikel sich im Ressort „Lokales“ und berichtet von einer Podiumsdiskussion mit sage und schreibe „rund 30 Zuschauern“.

Schade, diese geringe Außenwirkung, denn ich finde mehrere Punkte in dem Artikel Schwarze Schafe zerstören Image sehr bemerkenswert:

Zum einen die seltene Einigkeit dreier sonst in vielen Punkten Uneiniger, nämlich je einem Vertreter von CDU, der Gewerkschaft Ver.di und vom Bundesverband Zeitarbeit (BZA). Sie alle sagen:

Zeitarbeitsunternehmen schaffen Arbeitsplätze mitten in der Krise. Sie bieten einem flexiblen Arbeitsmarkt notwendige und unerlässliche Instrumente innovativer Personalpolitik.

Und mir geht es so, dass ich die anderen Statements – egal, von wem sie kamen – auch alle unterschreiben kann:

  • Zeitarbeit bietet eine gute Möglichkeit, in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden.
  • Zeitarbeiter-Löhne sollten denen der Unternehmensangehörigen angepasst werden.
  • Die Zeitarbeitsbranche ist im Kern die richtige Antwort auf die Herausforderungen eines modernen Arbeitsmarktes
  • Das Image der Zeitarbeit in Deutschland muss besser werden, die Imageverluste müssen ganz klar den schwarzen Schafen in dieser Branche angekreidet werden.
  • Der Begriff „Leiharbeit“ verwischt leider, dass Zeitarbeiter bei den Zeitarbeitsunternehmen meistens genauso wie Beschäftigte in anderen Unternehmen feste Arbeitsverträge haben – mit Urlaubsgeld und Sonderzahlungen.

Das einzige, womit ich nicht einverstanden bin, ist, dass immer die süßen schwarzen Schäfchen für alles Übel dieser Erde herhalten müssen. ;-)

Foto: Hermann Eberhardt, pixelio