Archive für die Kategorie 'Zeitarbeits-Diskussion'

Sep
23
KOM
 

Karlsruhe, 23.09.2014 – Der Bundesgerichtshof (BGH) hat heute ein Urteil des Landgerichts München bestätigt und somit die Rechte von Bewertungsportalen gestärkt. Im vorliegenden Fall (s. Az: BGH VI ZR 358/13) hat ein niedergelassener Arzt versucht, sein komplettes Profil in einem Online-Bewertungsportal sowie sämtliche Bewertungen löschen zu lassen. Auszug aus den Kalendarischen Vorschau-Terminhinweisen des BGH zur heutigen Verhandlung:

Der Kläger ist in dem genannten Portal mit seinem akademischen Grad, seinem Namen, seiner Fachrichtung und der Anschrift seiner Praxis verzeichnet. Zudem wurden im Zeitraum von Januar bis Mitte März 2012 drei Bewertungen über ihn abgegeben und auf der von der Beklagten betriebenen Internetseite mit den Titeln „Toller Arzt – sehr empfehlenswert“, „na ja…“ sowie „Kompetenter netter Arzt, sehr zu empfehlen!“ angezeigt. Gestützt auf sein allgemeines Persönlichkeitsrecht verlangt er von der Beklagten, es zu unterlassen, die ihn betreffenden Daten – also „Basisdaten“ und Bewertungen – auf der genannten Internetseite zu veröffentlichen, und sein Profil vollständig zu löschen.

Der BGH sieht  jedoch das Recht auf Kommunikationsfreiheit über ein Bewertungsportal vorrangig vor dem Persönlichkeitsschutz des Arztes und dessen Recht auf Selbstbestimmung von Informationen. Der Vorsitzende Richter Gregor Galke begründete dies damit, dass der Bereich der „Sozialsphäre“ betroffen sei, der allein die berufliche Tätigkeit des Arztes betreffe. Selbst anonyme Bewertungen seien durchaus erlaubt, dürften jedoch nicht unwahr oder  stigmatisierend sein.

Mit diesem höchstrichterlichen Urteil wird auch das Info-und Bewertungsportal www.DerZeitarbeits-Check.de in seiner Arbeit bestätigt, mehr Transparenz in die Zeitarbeits-Branche zu bringen – und zwar vollkommen legal!

Weiterführende Links:

www.focus.de/digital/computer/internet-urteil-aerzte-duerfen-online-bewertet-werden_id_4153877.html

www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/bgh-urteil-aerzte-duerfen-auf-jameda-und-co-online-bewertet-werden-a-993235.html

www.tagesschau.de/wirtschaft/aerzte-bewertung-100.html

 
Mrz
28
KOM
 

Ein Aufruf zur differenzierten Betrachtung der Zeitarbeit und der Zeitarbeitsbranche, geschrieben von
Stefanie Klief, Thorsten Rensing und Thomas Altmann.
Wir haben den Beitrag für unseren Blog dem Sinn nach nicht verändert. Jedoch haben wir hier eine – in Absprache mit den Autoren -  gekürzte Fassung veröffentlicht. Einen Link zum ursprünglichen Text in der Gesamtlänge finden Sie am Ende dieses Betrages.

Zeitarbeit polarisiert. Kaum eine andere Branche ist derart dem Zeitgeist unterworfen und steht so häufig in der Kritik. Egal wie stark sie sich weiter entwickelt, wie viele Arbeitsplätze sie schafft und erhält – es wird diffamiert und die Wahrheit verbogen. Gleichzeitig agiert der größte Teil der Branche ruhig und fair, in der Verantwortung für den Menschen. Jenen eine Stimme zu geben, ist unser Ziel. Die sich nicht rechtfertigt, sondern der Verankerung eines Bildes von Zeitarbeit als seriöse Beschäftigungsalternative Vorschub leistet.

Vorurteil: Zeitarbeit verdrängt Stammarbeitsplätze!
Einer Studie des IAB zufolge halten sich zusätzliche und verdrängte Beschäftigungsverhältnisse die Waage: „Betrachtet man beispielsweise einen Anstieg der Leiharbeiterzahl um 200.000 (wie in den Boomjahren 2006 oder 2010), so wären dabei in etwa 100.000 Jobs außerhalb des Zeitarbeitssektors verdrängt, aber insgesamt 100.000 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse geschaffen worden.“.

Das ist für sich genommen schon ein positives Fazit der Studie, aber ohne die missbräuchliche Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) durch so genannte „konzerninterne Zeitarbeit“ würde das Ergebnis noch wesentlich deutlicher zu Gunsten der Zeitarbeit ausfallen. Gemeint ist damit folgendes:

Das Wesen der Zeitarbeit ist das Dreiecksverhältnis (Zeitarbeitsunternehmen – ZeitarbeitnehmerInnen – Einsatzbetrieb/Kunde) und die Einsatzwechseltätigkeit. Diese beiden Punkte unterscheiden die Zeitarbeit im Wesentlichen von anderen Beschäftigungsverhältnissen. Bei konzerninterner Zeitarbeit sind aber Zeitarbeitsunternehmen und Einsatzbetrieb identisch; das Dreiecksverhältnis ist gesprengt. Alleine deshalb handelt es sich bei der konzerninternen Zeitarbeit schon nicht um Zeitarbeit im eigentlichen Sinn…

Vorurteil: Zeitarbeiter verdienen nur die Hälfte des Stammpersonals!
Es hat in der Vergangenheit tatsächlich Beispiele gegeben, wo ZeitarbeitnehmerInnen bis zu 50% weniger Lohn bekamen als vergleichbare Stammbeschäftigte. Dort, wo die Tarife des Einsatzbetriebes besonders hoch waren, wie zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie oder in der Chemie-Industrie. Diese signifikanten Lohn-Scheren sind aber über die Branchenzuschlags-Tarifverträge mittlerweile geschlossen worden. Berücksichtigt man diese Branchenzuschläge in der untersten Lohngruppe der Zeitarbeit, verdienen die ZeitarbeitnehmerInnen schon nach kurzer Anlernzeit über € 8,50 und nach neun Monaten Einsatzzeit bis zu € 12,29…

Vorurteil: Equal Pay geht doch auch in Frankreich und den Niederlanden
– offenbar will man das in Deutschland nicht!

Natürlich könnte man Equal Pay grundsätzlich auch in Deutschland einführen. Aber es stellt sich tatsächlich die Frage: Will man das? Denn wenn man A zu Equal Pay sagt, muss man auch bereit sein B zu sagen. Das meint: In Frankreich und den Niederlanden gilt in der Zeitarbeit das sogenannte Agenturmodell. Hier werden ZeitarbeitnehmerInnen für einen einzigen Auftrag eingestellt. Dabei beträgt die durchschnittliche Dauer eines Zeitarbeitseinsatzes in Frankreich gerade einmal zwei Wochen. Endet dieser, ohnehin schon sehr kurzfristige Auftrag, ist das Beschäftigungsverhältnis – ohne dass es einer Kündigung bedarf – sofort wieder beendet. Überdies erhalten die ZeitarbeitnehmerInnen keine Lohnfortzahlung bei Krankheit, Feiertag oder Urlaub, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, kein VWL, kein nichts! Dieses Agenturmodell hat also etwas von „Hire and Fire“ und modernem Tagelöhnertum und mit der deutschen Zeitarbeit zum Glück nichts zu tun.

Denn in Deutschland gilt das Arbeitgebermodell: Hier sind die ZeitarbeitnehmerInnen in aller Regel unbefristet und voll sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Inklusive Entgeltfortzahlung bei Krankheit, Urlaub und Feiertag, Einmalzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Mutterschutz. Also im Rahmen aller Arbeitsschutzgesetze, wie sie auch für alle anderen Arbeitnehmer gelten. Das ist ein enormer Unterschied. Fielen die Kosten für Entgeltfortzahlung und Einmalzahlungen et cetera weg, wäre auch hier ein Equal Pay möglich. Aber wer kann das sozialpolitisch ernsthaft wollen? …

Vorurteil: Die Übernahmequote liegt nur bei marginalen 7%!
Zeitarbeit ist nicht nur, aber auch ein arbeitsmarktpolitisches Instrument. Sie nimmt neben der Funktion als Flexibilitätspuffer weitere Aufgaben wahr, zum Beispiel das Wiedereingliedern von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Dabei ist alleine die Tatsache, dass ehemalige Arbeitslose in der Zeitarbeit eine Beschäftigung finden, schon ein Erfolg. Doch für viele geht der Weg weiter in die Stammbetriebe. Gewerkschaften und linke Parteien monieren, dass dies mit nur 7% zu selten funktioniere. Die Erhebung (11. AÜG-Bericht, S. 54), die diese 7% markierte, stammt aus dem Jahre 2008. Der Beginn der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, in deren Folge auch die deutsche Wirtschaft abschmierte. In einer schlechten konjunkturellen Lage stellen Betriebe kaum ein; sie entlassen eher.

Die „Klebequote“, also die Zahl der ZeitarbeitnehmerInnen, die zum Einsatzbetrieb wechselten, mag deshalb tatsächlich bei 7% gelegen haben.
In Zeiten guter Konjunktur stellen Betriebe jedoch deutlich mehr ein. Infolgedessen steigt auch die Klebequote. Gemäß Mittelstandsbarometer des Zeit-Arbeitgeberverbandes iGZ liegt die Klebequote (gemessen in sechs Befragungen; vom III. Quartal 2011 bis aktuell) bei über 30%. Diese Zahl sinkt in Zeiten normaler Konjunktur kaum. Eine Klebequote von 25% scheint deshalb über die Jahre und verschiedenen Konjunkturzyklen realistisch.

Vorurteil: Zeitarbeit schafft Armut!
Armut ist relativ und zunächst einmal nur eine statistische Rechengröße. Grob gesagt: Als arm gilt, wer weniger als 50% des Durchschnittseinkommens verdient. Gäbe es weniger Reiche, würden diejenigen, die heute als arm gelten, rein statistisch gesehen nicht mehr als arm gelten, obwohl sich deren Einkommen nicht verändert. Gäbe es mehr Reiche, würden Menschen, die heute zum Mittelstand zählen, statistisch als arm gelten. Das soll nicht bedeuten, dass die Vermögensverteilung in Deutschland oder der EU in Ordnung ist. Es soll aber zeigen, dass mit dem Begriff Armut in der politischen Diskussion etwas anderes gemeint ist als das, was sich die Allgemeinheit unter Armut vorstellt. So (rechnerisch, statistisch) gesehen, könnte man tatsächlich argumentieren, dass Zeitarbeit Armut schafft, weil sie zu einem Drittel – und damit mehr, als in jeder anderen Branche – Arbeit in Bereichen anbietet, die den Geringqualifizierten den Eintritt in den Arbeitsmarkt ermöglicht. Dies ist jedoch zu kurz gesprungen und lässt die andere Seite der Medaille außen vor, die den Arbeitslosen wenigstens wieder in die Spur gesellschaftlicher Integration bringt  und ihm vielleicht sogar Chancen auf einen weiteren Schritt eröffnet.

Vorurteil: Die Zahl der Aufstocker ist in der Zeitarbeit überdurchschnittlich hoch!
Das ist kein Vorurteil, das stimmt sogar, impliziert aber einen falschen Gesamtzusammenhang. Aufstocken ist das Mittel des Sozialstaates, seinen  Bürgern einen Mindestlebensstandard zu garantieren, der sich an der persönlichen Lebenssituation eines Jeden orientiert – und eben nicht am Lohn. Ein Mindestlohn wird das Phänomen nicht auflösen, denn je nach Lebenssituation schwankt der sogenannte „Äquivalenzlohn“: in 2010 betrug er für Alleinstehende (in Bezug auf das Hartz IV Niveau) € 4,50 Stundenlohn, bei einem Alleinstehenden mit Kind unter sieben knapp € 6,- Stundenlohn. Bei einer Familie mit zwei Kindern lag das Hartz IV Niveau 2010 bei cirka € 1.600,- – also einem Äquivalenzlohn von ca. € 10,- Stundenlohn (alle Beträge netto).

Im Übrigen ist die Höhe des Aufstockungsbetrages bei einem Mindestlohn von € 8,19 Stundenlohn (brutto) in der Zeitarbeit in der Regel recht gering…

Vorurteil: Zeitarbeit ist prekäre Beschäftigung!
Unter prekärer Arbeit versteht man untypische, weitgehend ungeschützte und unsichere Beschäftigungsverhältnisse. Dazu zählt man befristete Beschäftigungsverhältnisse, weil man als ArbeitnehmerIn nicht weiß, wie es nach Befristungsende weiter geht und Schein-Selbstständigkeit, weil die soziale Absicherung fehlt.
Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse können dazu zählen, wenn die Geringfügigkeit nicht auf Wunsch des Arbeitnehmers erfolgt, sondern der Job nur so vom Arbeitgeber angeboten wird und man diesen annimmt, weil man keine Vollzeitstelle findet.

Niedriglohnjobs sind der Klassiker, weil man von zum Beispiel € 6,- Stundenlohn seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann. Da in der Zeitarbeit in der untersten Lohngruppe „nur“ € 8,19 vergütet werden, können auch Teile der Zeitarbeit prekär sein; keinesfalls aber die Zeitarbeit in Gänze…

Vorurteil: Zeitarbeit macht krank!
Die Krankenquote in der Zeitarbeit ist tatsächlich höher als in der übrigen Wirtschaft (Zahlen aus 2010: Zeitarbeiter 15 Tage AU; andere Beschäftigte 11,5 Tage). Hier werden aber Äpfel mit Birnen verglichen: In der Zeitarbeit sind zum überwiegenden Teil Mitarbeiter aus der Industrie oder dem Handwerk beschäftigt. Dass ein Schreiner oder ein Schlosser ein im Vergleich zu Bürobeschäftigten höheres Krankheits- beziehungsweise Unfallrisiko hat, leuchtet wohl jedem ein…

Vorteil Zeitarbeit:
Zeitarbeit ist eine normale Beschäftigungsform. Der Unterschied liegt lediglich im Dreiecksverhältnis und in der Einsatzwechseltätigkeit. Die Volkswirtschaft braucht Flexibilitätspuffer um in einer globalisierten Welt bestehen zu können. Das ihr zugewiesene Feindbild hilft vielleicht Gewerkschaften, neue Mitglieder zu rekrutieren, schadet aber dem Arbeitsmarkt insgesamt. Am AÜG vorbei agierende Unternehmen entsprechen in ihrem Handeln jedoch kriminellen Machenschaften und gehören spürbar sanktioniert. BA-Chef Weise dazu: „Wenn das Gefühl für Anstand, Ethik und Moral verloren geht, dann braucht man unglaublich viele Regeln. Genau auf diesem Weg sind wir. Aber so lösen wir die Probleme nicht, denn die nächste Regelung wird dann wieder unterlaufen.”

Auch wenn viele Vorurteile nicht stimmen, ist längst noch nicht alles Gold in der Zeitarbeit, was glänzt. Viele Verbesserungen wurden bereits auf den Weg gebracht. Die ehemalige Wild-West-Branche Zeitarbeit, in der Goldkettchenträger ein Sklavenhalterimage aufbauten, ist in der Vergangenheit durch Einführung der Tarifverträge, der Ausbildung zum/zur Personaldienstleistungskaufmann/-frau, der Einführung des Mindestlohnes und der Branchenzuschläge sowie dem Wegfall der Schein-Gewerkschaften und deren unsäglichen Haus-Tarifverträgen bereits hinreichend domestiziert worden. Nahezu 100% aller Zeitarbeitsunternehmen sind tarifgebunden; der Markt regelt nicht alles, aber da, wo Tarife funktionieren, sollte sich der Staat zurückhalten.
Noch bestehende Missstände könnten wie folgt beseitigt werden:

a) Die Wiedereinführung des Synchronisationsverbotes ist zumindest diskutabel. Zwar ist eine weitere Reglementierung kaum wünschenswert, aber wenn sich die Branche mit Verweis auf das Arbeitgebermodell vom französischen Equal-Pay distanzieren möchte, dann muss die Einsatzwechseltätigkeit auch gelebt werden.

b) Genauer definierte Entgeltgruppenbeschreibungen in den Zeitarbeits-Tarifverträgen würden helfen, Falscheingruppierungen zu verhindern.

c) Scheinwerkverträge dürfen nicht mehr den Schutz des AÜG genießen.

d) Konzerninterne Zeitarbeit ist auf Dauer ausgelegt und nicht „vorübergehend“. Sie ist daher nach dem geltenden AÜG so ohnehin nicht mehr erlaubt; zumindest aber sollte hier der Tarifvorbehalt gestrichen werden.

e) Kurzarbeit in der Zeitarbeit ist notwendig. Es gibt keinen Grund eine normale Branche auszunehmen – davor schützt das Grundgesetz.

f) Das mittlerweile grundlose und längst überholte Verbot der Überlassung ins Bauhauptgewerbe ist aus dem selben Grund aufzuheben.

g) Last but not least: Der Begriff „Leiharbeit“ ist durchgängig durch einen wertneutralen Begriff wie „Zeitarbeit“ oder besser noch „Arbeitnehmerüberlassung“ zu ersetzen. Leihe ist dem BGB nach kostenlos, Zeitarbeit betreibt aber gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung. Zudem können nur Dinge und Sachen ent- und verliehen werden, nicht aber Menschen. Vor allem aber: Der Begriff Leiharbeit diskriminiert die ZeitarbeitnehmerInnen, denn er ist abwertend besetzt.

Ob die Umsetzung dessen die Kritiker endgültig verstummen lassen wird, bleibt fraglich und unser Ansatz zeigt, dass das Thema Zeitarbeit zu komplex ist für einfache Lösungen. Doch scheuen wir uns nicht, immer weiter nach Verbesserungen zu streben.

Den Ursprungstext in seiner gesamten Länge können Sie folgender Site entnehmen: http://www.lektoratexten.de/aktuell-vor-ur-teile-zeitarbeit-eine-branche-wehrt-sich/

Die Autoren dieses Aufrufs sind:

Thomas Altmann ist Mitglied der Geschäftsleitung der in Oberhausen ansässigen Hoffmann Personaldienstleistungsgruppe. Er ist seit knapp 25 Jahren in verschiedenen Positionen in der Zeitarbeit tätig und engagiert sich ehrenamtlich im Zeitarbeitgeberverband iGZ als Regionalkreisleiter für das westliche Ruhrgebiet und in der Tarifkommission.

Thorsten Rensing, Co-Autor, ist Management Partner bei Loh + Team Consulting und Inhaber eines regionalen Zeitarbeitsunternehmens in Köln. Er studierte Lehramt an der Universität zu Köln und in einem Zweitstudium Wirtschaftsjura an der EURO FH und Boston Law School. Seit 2000 ist er der Zeitarbeit in verschiedenen leitenden Funktionen mit kaufmännischen und organisatorischen Fragen verbunden. Seit 2012 ist er Dozent beim iGZ und der ZP1 Akademie für Zeitarbeit in den Bereichen Branchenzuschlagtarifen, Kalkulation und Strategieentwicklung.

Stefanie Klief, Co-Autorin und Lektorin, ist Juristin und Wissenschafts-redakteurin. Insgesamt 20 Jahre Erfahrung mit und in (inhabergeführter) Zeitarbeit schärften ihren Fokus auf Personaldienstleistungen. Als freiberufliche Lektorin und Texterin bündelt sie ihre Sachkenntnis in ihrem Angebot für Zeitarbeitsunternehmen: www.lektoratexten.de

 
Jul
12
KOM
 

Flexibel sein und trotzdem einen sicheren Arbeitsplatz haben – wie wird „Flexicurity“ die Arbeitswelt der Zukunft mitbestimmen?

Eingeladen von der Branchenkampagne „Die Zeitarbeit: Einstieg. Aufstieg. Wachstum.“ präsentiert der Zukunftsforscher Matthias Horx am 26. Juli 2012 in Nürnberg seine Vision der künftigen Arbeitswelt. Dabei wird er vor allem illustrieren, warum Flexibilität für Unternehmen und Arbeitnehmer in einer modernen Volkswirtschaft unverzichtbar sind.

Im Anschluss an seine Präsentation werden Gäste aus Wirtschaft und Gesellschaft über den Wirtschaftsfaktor Zeitarbeit diskutieren. Thema des Abends: „Metropolregion Nürnberg: Wie profitieren Unternehmen, Gesellschaft und Arbeitsmarkt vom Wirtschaftsfaktor Zeitarbeit?“

Programm
17.30 Uhr – Einlass

18.00 Uhr – Begrüßung Stephan Giesbert (Geschäftsführer Fürst Personaldienstleistungen GmbH und BAP-Regionalsprecher Süd-Ost)

18.05 Uhr – Präsentation Matthias Horx, Thema: „Die Zukunftsgesellschaft – wie wir leben und arbeiten werden“

18.45 Uhr – Podiumsdiskussion „Metropolregion Nürnberg: Wie profitieren Unternehmen, Gesellschaft und Arbeitsmarkt vom Wirtschaftsfaktor Zeitarbeit?“

Teilnehmer:

  • Christine Bruchmann (Geschäftsführende Gesellschafterin Fürst Gruppe und IHK-Vizepräsidentin Nürnberg/Mittelfranken)
  • Elsa Koller-Knedlik (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nürnberg)
  • Peter Oberst (Leiter Personalwesen und Prokurist der RIBE Richard Bergner Verbindungstechnik GmbH & Co. KG)
  • Patrizia Padovani (kaufmännische Angestellte und Zeitarbeitnehmerin bei der HEISERV GmbH)
  • Robert Günthner (Abteilung Politische Planung, Arbeitsmarktpolitik und Qualifizierung, DGB-Bayern)

Moderation: Martin Wagner (Leiter Studio Franken, Bayerischer Rundfunk)

20.00 Uhr – Get-together

Weitere Informationen zu der kostenfreien Veranstaltung finden Sie in der Einladung.

Viel Spaß!

 
Jan
19
KOM
 

Gestern, am 18. Januar 2012 um 23:15, hat das ZDF über das Magazin ZDFzoom eine Reportage über Zeitarbeit / Leiharbeit in Deutschland ausgestrahlt. Tenor: Alle ZeitarbeitnehmerInnen / LeiharbeitnehmerInnen sind die großen Verlierer.

Zur Reportage ZDFzoom: : Jobmotor oder Ausbeutung?

Ob das in letzter Instanz stimmt, sei dahingestellt – sicher ist jedoch, dass viele ArbeitnehmerInnen im Hilfskräftesektor mit geringen Stundenlöhnen (7,89 West und 7,01 Ost) keine großen Sprünge machen können – insbesondere als Alleinverdiener und Elternteil – und dass die Fluktuation bei Hilfskräften recht hoch ist.

Inwieweit ist den Aussagen der zoom-Reportage jedoch darüber hinaus zu trauen?

Haben die Verantwortlichen einen guten Job gemacht oder sind sie wieder einmal der Sensationsgier verfallen und stellen die Schwarzen Schafe in den Vordergrund der Reportage?

Kurz und bündig: Es gab schon schlimmere, negativere und insbesondere einseitigere “Dokumentationen”.

Herr Christian Bock hat zumindest versucht, ein Positivbeispiel – die BERA PERSONALdienstleistungen GmbH – einfließen zu lassen. Dafür: Herzlichen Dank!

Es ist ja – Gott sei´s gedankt – so, dass es nicht nur Schwarze Schafe in der Branche gibt, sondern auch vorbildliche Unternehmen – und dazwischen eine Menge Grauschattierungen… Was ist aber mit den Aussagen, die sicherlich bei dem einen oder anderen (Arbeitnehmer / Bewerber) hängenbleiben? Dazu ein paar kurze Anmerkungen:

  • Herr Bock hat einen Test bei einer Zeitarbeitsfirma absolviert – in einem Einsatz. Man mag bezweifeln, ob die Gesamtmenge von n=1 tatsächlich die Realität widerspiegelt… Immerhin gibt es 9.000 Unternehmen plus 7.000 Niederlassungen am deutschen Markt.
  • “Als Zeitarbeiter kann es immer der letzte Tag sein” – so die Aussage. Stimmt, doch gute, professionelle Zeitarbeitgeber sorgen für Folgeeinsätze. Warum sollte man gute Mitarbeiter entlassen? Sie sind doch Umsatzbringer…!
  • Insofern mag der Spruch “…abgemeldet ist oft gekündigt!” ebenso kritisch hinterfragt werden. Gerade in der heutigen Zeit stapeln sich die Aufträge bei den Zeitarbeitsfirmen, die qualifizierte Mitarbeiter dringend benötigen.
  • Warum werden in dieser Reportage die Unternehmen verpixelt, warum werden Ross und Reiter nicht genannt? Angst vor der eigenen Courage? Merkwürdig, denn auf DerZeitarbeits-Check.de machen wir genau das!
  • Bitte – werft die Begrifflichkeiten nicht durcheinander! Probetage sind nicht gleich Probezeit!!!
  • Es wird eine Übernahmequote von 2,8 % erwähnt – hier schütteln mit Sicherheit diejenigen Personaldienstleister ungläubig den Kopf, die pro Quartal mehr als 25 % Übernahmen in den Kundenbetrieb haben.
  • Was ist dieser ominöse “Bundesverband Zeitarbeit”? Legen wir keinen Wert mehr auf korrekte Quellenangaben? Sind wir mittlerweile alle geguttenbergt? Also: Kommt das Datenmaterial vom BAP oder dem iGZ?
  • Dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) nichts gegen Schwarze Schafe machen kann – wie suggeriert wird – ist nicht ganz wahr. Sie stellt die Erlaubnisurkunde zur Arbeitnehmerüberlassung aus und kann sie ebenso wieder entziehen. Warum es jedoch selten genug geschieht, mag nur die BA beantworten.
  • Wenn ZeitarbeitnehmerInnen im Einsatz von den dort beschäftigten Stammmitarbeitern schlecht und wie Mitarbeiter 2. Klasse behandelt oder von Kundenbetrieben (Entleihern) nur als Verfügungsmasse und strategischer Personalkostensenker behandelt werden, dann geht der Vorwurf zuerst an die Kundenbetriebe!!! Macht euch mal Gedanken um euer Image…
  • ZeitarbeitnehmerInnen trauen sich nicht, über die Methoden der Zeitarbeitsfirmen zu sprechen? Doch – ebenfalls auf DerZeitarbeits-Check.de. Hätte man aber auch recherchieren können…
  • Und dann war er wieder da – der Spruch von der “modernen Skl…ei”. Hätte uns gewundert, wenn das gefehlt hätte. Zur Info: wikipedia.org/wiki/Sklaverei . Somit endet die Reportage exakt so, wie man vermuten konnte…

Es bleibt also summa summarum nicht viel Neues außer verdrehten Begrifflichkeiten, Unwahrheiten, nicht repräsentativen Stichproben und eine dringende Frage: wo sind unsere GEZ-Gebühren geblieben? Versteht uns nicht falsch – Zeitarbeit ist kein Ponyhof und erst recht keine Wellnessoase – es ein knallhartes Geschäft für jeden Beteiligten! Und die unseriösen Firmen gehören vom Markt verbannt!

Wenn jedoch journalistische Reportagen oder Dokus ausgestrahlt werden, haben die Zuschauer ein Recht auf Objektivität, Sachlichkeit und differenzierte Berichterstattung. Sonst kann man sich auch die “NEWS” auf RTL2 anschauen.

Unsere Meinung zu dieser Reportage können Sie auch nachlesen unter:

http://blog.zdf.de/zdfzoom/2012/01/12/finger-weg-von-zeitarbeit/#comment-603

 
Okt
26
KOM
 

Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, der Gesetzgeber und selbstverständlich die Branche selbst beschäftigen sich derzeit mit der Einführung von Equal-Pay-Modellen. Ob nun Equal-Pay oder Equal Pay-Stufenmodell, es wird eine Angleichung der Löhne von Stammbelegschaft und Beschäftigten der Personaldienstleister geben.

Entgegen mancher Befürchtungen ist der Schritt, die Lohnattraktivität in der Personaldienstleistung zu erhöhen, eine logische und richtige Konsequenz, um auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren.

Die aktuellen und zu erwartenden Arbeitsmarktzahlen und das zur Verfügung stehende Arbeitskräftepotenziale sowie die demografische Entwicklung werden alle Unternehmen (Personaldienstleister sowie auch andere Branchen) dazu bewegen, ihre Attraktivität auf Bewerber und Mitarbeiter stetig zu erhöhen, um dem Wettbewerb bezüglich qualifizierter Mitarbeiter zu bestehen.

Um die Arbeitsplätze in der Personaldienstleistung aufzuwerten und einen Wettbewerbsvorteil des eigenen Unternehmens zu generieren, ist es über einen tariflichen bzw. gesetzlichen Zeitpunkt der Einführung von Equal Pay ratsam, sich mit seinen Kunden frühzeitig auf geeignete Lösungen zu verständigen.

In jedem regionalen Markt wird – sobald die ersten Equal-Pay Vereinbarungen zwischen Personaldienstleistern und Kundenbetrieben vereinbart worden sind – ein intensiver Wettbewerb um gute, qualifizierte Mitarbeiter beginnen bzw. intensiviert werden. Und da Bewerber bzw. Mitarbeiter im Regelfall bei dem attraktivsten Arbeitgeber (u.a. Equal Pay) arbeiten wollen und sich deshalb schnell um eine Beschäftigung bei eben diesem bewerben werden, wird der Zeitpunkt der jeweiligen Einführung von Equal Pay eine gewichtige Rolle über den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens spielen.

Dieser oben beschriebene Prozess wird die Attraktivität und die Akzeptanz der Personaldienstleistung in der Bevölkerung erhöhen und voraussichtlich zusätzliche Bewerber und Interessenten für die Personaldienstleistung gewinnen.

Zum Autor dieses Beitrages:

Frauenknecht

Das Seminar und Beratungsunternehmen Stefan Frauenknecht Training & Beratung unterstützt Personaldienstleister z. B. mit dem Seminar „Projektmanagement Equal Pay – Gewinnung von Potenzialkunden zur Einführung von Equal Pay“, um alle Beteiligten für neue Konzepte zu gewinnen und von den anstehenden Entwicklungen zu profitieren.

Mehr zu den Seminaren von Stefan Frauenknecht Training & Beratung finden Sie unter
www.frauenknecht-training.de

 
Sep
20
KOM
 

Zeitarbeit

Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland – ist im August 2011 gestiegen. Der BA-X setzt somit unbeeindruckt von Turbulenzen an den Aktienmärkten und den verhalteneren Geschäfts­erwartungen den Aufwärtstrend fort und erreicht ein Allzeithoch. Fast jede dritte Stelle wird dabei laut BA-X durch Zeitarbeitsunternehmen gemeldet.[1]

Wachstum ohne Grenzen?

Der 5. Branchentreffpunkt ZEITARBEIT vom 7. bis 9. November 2011 in Köln liefert Antworten auf folgende Fragen:

  • Was bedeutet weiteres Wachstum für die finanzielle Situation in den Zeitarbeitsunternehmen?
  • Was bedeutet es, bei weiterem Wachstum der Zeitarbeitsunternehmen, noch mehr qualifizierte Bewerber zu finden?
  • Was bedeutet es für die Zeitarbeitsunternehmen die tarifvertragliche Umsetzung von Equal Pay im Laufe eines Jahres umzusetzen?

Die DEUTSCHE KONGRESS wird erneut mit hochkarätigen Referenten neutral über die aktuellen Fragen und Entwicklungen der Zeitarbeitsbranche in Köln informieren und diskutieren. Moderiert wird der Kongress wie im Vorjahr von Prof. Michel Mattoug, Leiter Steinbeis Transferzentrum Internationale Strategien.

Die DEUTSCHE KONGRESS bietet den Lesern des DerZeitarbeits-Check.de/Blog einen Rabatt von EUR 200,- auf den regulären Ticketpreis an. Geben Sie bei Ihrer Anmeldung den Code ZA11-DZAB-200 ein, um den Rabatt zu erhalten.

Auszug aus dem Programm

Seminartag I – Montag, 07. November 2011

Seminar I A

Finanzrisikomanagement bei Zeitarbeitsunternehmen
Dr. Karsten Kaempf, Geschäftsführer, Karock’s Limited, Berlin/London
Prof. Michel Mattoug, Steinbeis Transferzentrum Internationale Strategien

Seminar I B

Betreuungsmanagement in der Zeitarbeit – neue Wege der Rekrutierung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen  mit Kinderbetreuungsverantwortung
Dr. Bernd Benikowski, Geschäftsführer, TZZ GmbH, Dortmund
Dr. Rüdiger Klatt, Geschäftsführer, FIAP e.V, Gelsenkirchen

Kongresstag – Dienstag, 08. November 2011

Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa – Chance oder Notwendigkeit für Unternehmen
Olympia Personaldienstleistungen Deutschland GmbH

Erfahrungen mit der Deutsch-Französischen Arbeitnehmerüberlassung (AÜG)
Markus Bickar, CRIT (Personal-Leasing und Recrutement)

Die Bedeutung der Zeitarbeit in einem entleihenden mittelständischen Unternehmen
Jürgen B. Weiss, Weiss Kunststoffverarbeitung GmbH & Co KG/Vorstand VBM, BayME

Der Weg zu nachhaltigem Wachstum: „Wachstumshebel“ und „Projektlernen“
Dr. Thomas Hardwig, THR consult

De- oder Überregulierung der Zeitarbeit – Gesetzliche Neuregelungen als Wachstumskatalysator oder -blocker
Prof. Dr. Burkhard Boemke, Instituts für Arbeits- und Sozialrecht der Juristenfakultät / Boemke Frick RAe Leipzig

Lohnabrechnung sicher in der Cloud
Katja Braun, DATEV eG

Qualität in der Zeitarbeit – Wie und was wird wahrgenommen
Sascha J. Flemnitz, Institut für Soziologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster / Unternehmensgruppe Tremonia & Profi

Zeitarbeit in Deutschland – Treiber für Flexibilität und Wachstum
Dr. Thomas Schleiermacher, Institut der deutschen Wirtschaft IW e.V. Consult GmbH

Wachstumsschranke Equal Pay & Co? – Gesetzliche Neuerungen in Österreich
Dr. Georg Bruckmüller, Bruckmüller Zeitler Rechtsanwälte GmbH

Abschlusskeynote

Gewerkschaften und Zeitarbeit
Detlef Wetzel, 2 . Vorsitzender der IG Metall, IG Metall-Vorstand

Seminartag II – Mittwoch, 09. November 2011

Seminar II A

Qualifizierung & Weiterbildung in der Zeitarbeit
Julia Malso, date up education GmbH
Harald Hansen Leiter Unternehmensentwicklung, date up education GmbH

Seminar II B

Zeitarbeit auf dem Bau
Dipl.-Kfm. Frank Dupré, Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) / C. Dupré Bau GmbH + Co. KG
Andreas Harnack, Bundesvorstand der IG Bau

Nähere Informationen und das detaillierte Programm unter
www.zeitarbeitskongress.de


[1] http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berichte-Broschueren/Stellenangebot/Stellenindex-der-BA/Generische-Publikationen/Ba-X-201108.pdf

 
Aug
31
KOM
 

DerZeitarbeits-Check.de:
Herr Fuhrmann, im Oktober 2010 haben Sie uns von der Initiative Qualitätssiegel Zeitarbeit berichtet (zum Blogbeitrag). Was hat sich seitdem geändert?

Norbert Fuhrmann

Norbert Fuhrmann

Norbert Fuhrmann:
Die Branche stand damals bereits stark in der Kritik. Die Öffentlichkeit bekam mehr und mehr ein negatives Bild von der Zeitarbeit. Dem wollte ich etwas entgegensetzen, um zu zeigen, das es auch Firmen gibt, die fair, seriös und werteorientiert arbeiten. Daran hat sich nichts geändert. Das Qualitätssiegel soll Bewerbern und Kunden als Ergebnis einer unabhängigen Überprüfung Sicherheit bei der Arbeitsplatz- bzw. Dienstleisterauswahl bieten und liefert so automatisch positive Beispiele aus der Zeitarbeitsbranche.

DerZeitarbeits-Check.de:
Dass in der Branche fair gearbeitet wird, behaupten die Arbeitgeberverbände und natürlich viele Unternehmen.

Norbert Fuhrmann:
In den Werbeaussagen finden Sie die Worte Fairness und Seriosität häufig, was das aber im Einzelfall bedeutet und ob sich Mitarbeiter und Kunden darauf verlassen können, steht in den Sternen. Niemand wirbt damit, dass er unfair zu Mitarbeitern ist oder seine Kunden übers Ohr haut. Hier fehlte eine unabhängige Überprüfung, wie wir sie mit dem Qualitätssiegel Zeitarbeit bieten.

DerZeitarbeits-Check.de:

Überprüfungen gibt es doch schon länger. Nicht wenige Personaldienstleister haben ganze Kataloge, um das Prozess- und Qualitätsmanagement sicherzustellen. Oder denken Sie an ISO- und SCP- Zertifizierung.

Norbert Fuhrmann:
Es gibt hier einen großen Unterschied. ISO betrachtet die Qualität von Prozessen, SCP legt den Schwerpunkt auf die Arbeitssicherheit. Die Kriterien des Qualitätssiegels Zeitarbeit setzten an den Kritikpunkten der Öffentlichkeit an. Diesen geht es primär um die korrekte Bezahlung und Eingruppierung der Zeitarbeiter und darum sicherzustellen, dass der Personaldienstleister kein Hire-und-Fire betreibt. Insbesondere Zeitarbeitsunternehmen sollten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Diese fängt nun mal bei den eigenen Mitarbeitern an.

DerZeitarbeits-Check.de:
Dieser letztgenannte Satz erinnert stark an den „Ehrbaren Kaufmann zu Hamburg“ (zum Leitbild).

Norbert Fuhrmann:
Diesen Vergleich kann man durchaus ziehen. Bei der Kriterienfindung für unsere Zertifizierung, in die übrigens neben Zeitarbeitsunternehmen auch Kundenbetriebe und Gewerkschaften involviert waren, haben wir uns an allgemeingültigen CSR-Maßstäben orientiert und diese für die Zeitarbeitsbranche neu definiert.

DerZeitarbeits-Check.de:
Sie möchten mit dem IQZ-Gütesiegel u. a. erreichen, dass sich Entleiher sicher sein können, mit einem tatsächlich ehrbaren Verleiher zu arbeiten. Funktioniert das nur bei bestimmten Tarifanwendern?

Norbert Fuhrmann:
Natürlich ist der Entleihbetrieb ein direkter Adressat. Er muss wissen, dass er bei der Auswahl seiner Personaldienstleister keine Risiken eingeht. Im Hinblick auf das Unternehmensimage und natürlich finanziell…

DerZeitarbeits-Check.de:
…und mit dieser Festlegung auf bestimmte Tarifpartner spalten Sie die Branche in good and evil, oder?

Norbert Fuhrmann:
Sie sprechen von den Anwendern der christlichen Tarifverträgen?

DerZeitarbeits-Check.de:
Nun ja, immerhin stehen Sie bei nicht wenigen Personaldienstleistern in dem Ruf, die AMP-Anwender zu ignorieren, wenn nicht sogar zu “mobben”.

Norbert Fuhrmann:
Dem Vorwurf kann ich nicht folgen. Im AÜG ist geregelt, dass grundsätzlich EqualPay/Equal Treatment für die Branche gilt, es sei denn es kommen rechtssichere Tarifverträge zur Anwendung. Bei einer ganzen Reihe von christlichen Gewerkschaften wurde in den vergangenen Jahren gerichtlich festgestellt, dass sie eben keine rechtssicheren Tarifverträge abschließen können, da sie nicht tariffähig sind.

Dass dieses Risiko auch für die CGZP besteht, habe ich seit September 2003 immer wieder öffentlich vorgetragen – wie im übrigen auch der Arbeitsrechtsexperte Prof. Schüren von der Uni Münster. Da wir in der Branche ein Dreiecksverhältnis haben, ist von diesem Risiko neben dem Personaldienstleister aufgrund der gesetzlich vorgesehenen Durchgriffshaftung auch der Entleiher betroffen.

DerZeitarbeits-Check.de:
Und da hilft das Qualitätssiegel?

Qualitaetssiegel

Norbert Fuhrmann:

Wie gesagt, handelt es sich bei dem Qualitätssiegel Zeitarbeit um ein Instrument, dass Kundenbetrieben Sicherheit geben soll und zu deren Risikominimierung beiträgt. Hier sehen wir uns eindeutig in der Verantwortung, die Kriterien der Zertifizierung so zu gestalten, dass sie inhaltlich belastbar sind. Wenn wir also seit Jahren auf ein Risiko hinweisen, dessen negative Folgen dann auch noch eintreten, wüsste ich nicht, was das mit Mobbing zu tun haben sollte.

Unternehmen, die in der Vergangenheit christliche Tarife angewendet haben, haben sich bewusst dafür entschieden. Aus welchen Beweggründen lasse ich mal dahingestellt. Nun müssen genau diese Unternehmen die Folgen Ihrer Entscheidung tragen.

DerZeitarbeits-Check.de:
Nachdem das BAG also Ihre Einschätzung bestätigt hat, haben viele CGZP – Anwender nun den Tarifvertrag gewechselt und wenden mittlerweile DGB-Tarife an. Sind Sie auch bereit einen (ehemaligen) AMP-Anwender zu zertifizieren?

Norbert Fuhrmann:
Generell gilt für uns, dass jeder Fehler machen kann. Nur muss man dafür auch – gegebenen falls öffentlich – die Verantwortung übernehmen und sie korrigieren.

Kurzum: AMP-Anwender, die ihre Vergangenheit nicht bereinigt, sprich berechtigte Ansprüche nicht gemeldet und bedient haben, werden von uns nicht zertifiziert. Ehemalige AMP-Anwender, die dagegen die Vorgaben unseres Kriterienkatalogs einhalten, können genauso wie jedes BZA- oder iGZ-Mitglied nach erfolgreichem Audit das Qualitätssiegel Zeitarbeit erhalten.

DerZeitarbeits-Check.de:
Ist das nur „theoretisch“ gemeint?

Norbert Fuhrmann:
Im Gegenteil, ich nenne Ihnen gerne ein konkretes Beispiel: Ein Personaldienstleiser aus Baden-Württemberg war bis 2006 AMP-Tarifanwender und wendet ab 2007 das DGB-Tarifwerk an. Die „christliche“ Vergangenheit mit allen damit verbundenen Nachforderungen wurde ordnungsgemäß aufgearbeitet und abgewickelt.

Wir haben diesen Umstand genauso sorgfältig geprüft wie den restlichen Kriterienkatalog und einem aus meiner Sicht vorbildlichen Unternehmen – die Löhne waren auch vor 5 Jahren schon auf einem sehr ordentlichen Niveau – gerne das Qualitätssiegel Zeitarbeit verliehen.

DerZeitarbeits-Check.de:
Darf man den Namen des Unternehmens erfahren?

Norbert Fuhrmann:
Es ist die Firma agento aus Ravensburg.

DerZeitarbeits-Check.de:
Ihre Nähe zum iGZ steht ebenfalls in weiten Kreisen der Branche zur Diskussion – wie erklären Sie diesen “Schmusekurs”?

Norbert Fuhrmann:
Ich kann nicht leugnen, dass ich eine Zeit lang als Verbandsmitglied im iGZ war und als Vorstand mit für die Gestaltung des iGZ-Tarifvertrag verantwortlich war. Wer aber meine öffentlichen Beiträge seit einiger Zeit aufmerksam liest, der stellt fest, dass ich auch den iGZ inzwischen „kritisch begleite“ – inbesondere im Zusammenhang mit der Tarifpolitik des Verbands und dessen Glaubwürdigkeit.

Glauben Sie mir, da mache ich mit Sicherheit keine Unterschiede im Vergleich zu anderen Verbänden oder Tarifpartnern.

DerZeitarbeits-Check.de:
Herr Fuhrmann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 
Jun
17
KOM
 

“DerZeitarbeits-Check.de” informiert über Zeitarbeit, “REIFE LEISTUNG! Süderelbe packt an” interessiert Arbeitnehmer für Zeitarbeit

Das Informations­ und Bewertungsportal DerZeitarbeits­-Check.de und der Beschäftigungspakt “REIFE LEISTUNG! Süderelbe packt an” luden am 25. Mai 2011 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in die EMPORE in Buchholz i.d.N. ein. In der öffentlichen Veranstaltung wurde einerseits objektiv und wertneutral über die Dienstleistung Zeitarbeit informiert und andererseits den Besuchern Gelegenheit gegeben, sich direkt bei Personaldienstleistern über die Chancen und Möglichkeiten zu erkundigen.

Mehrere Zeitarbeitunternehmen mit unterschiedlichen Branchen­Ausrichtungen nutzten die Chance, sich mit einem Info­Stand zu präsentieren und Fragen zur Zeitarbeit zu beantworten. Rund 350 Arbeitsuchende nutzten die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren.

Eine wichtige Komponente der Veranstaltung war der Vortrag “Zeitarbeit – 10 unbequeme Wahrheiten”. Oliver Repp, Geschäftsführer der replin GmbH, die das Portal “DerZeitarbeits­Check.de” betreibt, legte den Zuhörerinnen und Zuhörern anhand von zehn Fakten dar, was Zeitarbeit ist, wie sie funktioniert und was Arbeitnehmer/innen dort erwartet. In objektiv darstellender Weise erklärte er, welche Personaldienstleistungen es gibt und welche herausgehobene Position der Zeitarbeit im wirtschaftlichen Gefüge zukommt. Detailliert berichtete Oliver Repp über die Dreiecksbeziehung, die die Zeitarbeit ausmacht und deren Volumen in Deutschland, über die Struktur des Zeitarbeit­Anbietermarktes sowie die Struktur der Zeitarbeitnehmerschaft. Außerdem gab er einen Überblick über das Tarifgefüge, den Mindestlohn und die Kalkulation eines Verrechnungssatzes. Kritische Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum zeigten, dass die Ausführungen dort auf reges Interesse stießen.

Auch das Interesse der ausstellenden Personaldienstleister an der Gruppe der über 50­jährigen Arbeitsuchenden – das prinzipiell in der Zeitarbeit immer vorhanden war und ist – war groß und konnte noch weiter gesteigert werden. Es wurde von verschiedenen konkreten Vertragsanbahnungen berichtet.

Die Idee, eine solche Informationsveranstaltung ins Leben zu rufen, kann man nur begrüßen. Die vitalen Interessen aller Beteiligten mit objektiver Information zu verbinden, ist der richtige Weg. So zeigt es sich doch immer wieder, dass das Wissen über die Zeitarbeit im Allgemeinen und als Arbeitgeber im Besonderen in der Öffentlichkeit vielfach immer noch sehr mangelhaft ist. “Eines unserer Hauptziele ist es, den Arbeitsuchenden zu zeigen, dass es nicht nur schwarze Schafe in der Branche gibt, sondern auch seriöse und faire Personaldienstleister. Dieses ist uns auf jeden Fall gelungen. Daher werden auf diese Pilotveranstaltung mit Sicherheit weitere folgen”, so Oliver Repp.

“REIFE LEISTUNG!”-Projektmanager Dr. Rupert Seuthe von der Süderelbe AG ergänzt: “Wir machen seit Anbeginn des Projekts die Erfahrung, dass Zeitarbeit als Beschäftigungsform für unsere Zielgruppe kein selbstverständliches Thema ist. Wissensvermittlung zur Zeitarbeit steht daher auf der Agenda einer jeden lokalen “REIFE LEISTUNG!”-Maßnahme. Der “Buchholzer Dialog” hat diesen Ansatz in einen größeren, überregionalen Maßstab übertragen und zu­ gleich eine Begegnungsplattform für Arbeitsuchende aller Altersgruppen und Personaldienstleister unterschiedlicher berufsfachlicher Schwerpunkte geboten.”

“REIFE LEISTUNG!” ist der Beschäftigungspakt für Ältere von Stade bis Lüchow­Dannenberg. Er wird maßgeblich gefördert und unterstützt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des Bundesprogramms “Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen”. Hier finden sich zahlreiche weitere regionale Beschäftigungspakte, die möglicherweise die/den eine/n oder andere/n potenzielle/n Mitarbeiter/in für Personaldienstleister bereithalten.

- Peter Gröger -
Chefredakteur der Fachzeitschrift AIP
Allgemeiner Informationsdienst für Personaldienstleister

 
Mai
26
KOM
 

Hamburg/Buchholz – Die am 25. Mai 2011 durchgeführte Veranstaltung “1. Buchholzer Dialog zum Thema Personaldienstleistungen” mit der Vortragsreihe “Zeitarbeit – 10 unbequeme Wahrheiten” war ein voller Erfolg! So sahen es die Veranstalter – und wichtiger noch – die mehr als 350 ArbeitnehmerInnen und Arbeitsuchenden, denen wichtige Infos zum Thema Leiharbeit / Zeitarbeit gegeben wurden.

Der Hauptveranstalter, das Informations- und Bewertungsportal DerZeitarbeits-Check.de, hat am vergangenen Mittwoch in Kooperation mit dem regionalen Beschäftigungspakt „ReifeLeistung! Süderelbe packt an“ erstmalig eine Info-Veranstaltung für ArbeitnehmerInnen und Arbeitsuchende durchgeführt, bei der wichtige Fakten aus der Zeitarbeit präsentiert wurden.

Ziel der Veranstaltung war es u. a., den Besuchern aufzuzeigen, dass es zwar “Schwarze Schafe” in der Branche gibt, jedoch nicht alle Zeitarbeitsunternehmen dazu gezählt werden können. Wie man die Guten von den Miesen unterscheiden kann war genauso Thema wie die aktuelle Tarifsituation oder auch ganz einfach der erwartbare Stundenlohn und der seit 01. Mai eingeführte Mindestlohn.

“Es ist sehr schade, dass viele Zeitarbeitnehmer und Zeitarbeitnehmerinnen zu wenig über Zeitarbeit wissen,” so Oliver Repp, Gründer des Bewertungsportals. “Viele Informationen liegen entweder nicht vor oder sind inkorrekt, zum Teil sogar völlig falsch. Dafür kann jedoch der Einzelne nichts – er oder sie wird leider zu oft mit irreführenden Infos versorgt. Da ist es kaum ein Wunder, dass Vieles zwischen Zeitarbeitsunter-nehmen und Arbeitnehmern nicht funktioniert, wie es eigentlich könnte.”

Mit viel Engagement haben sich DerZeitarbeits-Check.de und Reife Leistung! – genauso wie die ausstellenden Personaldienstleister – den Fragen der Besucher gestellt. Auch wenn diese mitunter knallhart vorgetragen wurden.

Das Fazit fassen die Veranstalter wie folgt zusammen:

Das Feedback zeigt, dass das Konzept “Aufklärung für mehr Transparenz” erfolgreich ist und von den Veranstaltungsbesuchern wie auch den Personaldienstleistern absolut unterstützt wird.

Ob, wann und wo die Veranstaltung auch zukünftig stattfinden wird, wird nach einer ausgiebigen Analyse entschieden. Informiert werden Sie auf jeden Fall hier im BLOG.

 
Apr
15
KOM
 

Berlin, 15. Februar 2011 – Der deutsche Bundesrat billigt in seiner 882. Sitzung den Mindestlohn bzw. die Lohnuntergrenzen für die Zeitarbeitsbranche. Die Lohnbegrenzung durch Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) ist ein deutliches Zeichen gegen das befürchtete Lohndumping im Zuge der Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 01. Mai 2011.

Ab 01. Mai 2011 gelten nun Mindestlöhne in Höhe von

7,79 Euro im Westen und

6,89 Euro im Osten.

Trotz der – nach jahrelangem politischen Gezerre -  nun endgültig beschlossenen Einführung des Mindestlohns sehen zumindest einige Mitglieder des Bundesrats eine Gleichbehandlung der Zeitarbeitnehmerschaft nur in der konsequenten Umsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes (equal pay):

“Für die Leiharbeit ist der Mindestlohn – gerade im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011 – ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Künftig bildet der jeweilige tarifliche Mindestlohn die absolute Lohnuntergrenze und gilt nicht nur für die Zeit des Einsatzes beim entleihenden Unternehmen, sondern vor allem auch für die verleihfreie Zeit. Der Mindestlohn verhindert extrem niedrige Löhne und schützt vor Dumpingkonkurrenz aus dem Ausland. Er trägt aber nicht dazu bei, den Lohnunterschied zwischen Leiharbeitern und Stammbelegschaften in höheren Entgeltgruppen zu verringern. Das kann nur durch die Verwirklichung des Gleichbehandlungsgrundsatzes – also den Grundsatz “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” – erreicht werden.”

(Quelle: Erstes Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes – Verhinderung von Missbrauch der Arbeitnehmerüberlassung, Punkt 2 der 882. Sitzung des Bundesrates am 15. April 2011Antrag der Länder Rheinland-Pfalz, Hamburg)

Weiter Infos über die AÜG-Änderung finden Sie unter:

BMAS: “Zeitarbeit vor Missbrauch schützen”