Archive für die Kategorie 'Weiterbildung'
Gestern gab es in der ARD Report München. Einer der Beiträge dort hat mich ziemlich erschreckt: Qualifizierungsmaßnahme – schlecht beraten und abgeschoben.
Sie können sich den Beitrag in der ARD Mediathek ansehen, einetten kann man diese Beiträge hier leider nicht direkt.
Es geht um Weiterbildungsmaßnahmen, in die Arbeitslose von der Argeitsagentur geschickt werden – oder eben nicht.
In dem ausführlichen Beitrag wird mehrererlei bemängelt:
- Es gibt wohl sehr viele qualitativ ausgesprochen schlechte Weiterbildungsmaßnahmen. Trotzdem müssen die Arbeitslosen auf Weisung Ihrer Arbeitsagentur dorthin, um ihre Unterstützung nicht gekürzt zu bekommen. Vorgestellt wurde als Beispiel eine Maßnahme, in der die Teilnehmer den ganzen Tag lang kaum etwas anderes tun, als zum Zweck der Jobsuche im Internet zu surfen – ohne dass sie dabei wesentliche Recherchehilfen seitens der Weiterbildner bekommen.
- Viele Arbeitslose beklagen, dass ihnen von ihren Arbeitsberatern gar keine Weiterbildungen vorgeschlagen werden. Der Arbeitslose müsse sich selbst darum kümmern.
- Wieder andere Arbeitslose beklagen, dass ihre Berater sich nicht gut genug im Weiterbildungsmarkt auskennen. Zum Beispiel käme es öfter vor, dass sie ihre Berater fragen, ob sie eine bestimmte Weiterbildungsmaßnahme machen dürfen. In Unkenntnis der betreffenden Maßnahme lehnen die Berater oft ab.
- Und noch andere Arbeitslose kümmern sich intensiv darum, für sie sinnvolle Weiterbildungsmaßnahmen zu finden. Sie werden fündig – und bekommen die Maßnahme abgelehnt, weils sie dadurch hinterher überqualifiziert wären.
Hm, ich denke, im Bereich der Beratung in Sachen Weiterbildungsmaßnamen für Arbeitslose besteht dringender Handlungsbedarf bei der Bundesanstalt für Arbeit.
PDK-Azubis? Was ist denn das?
PDK ist die Abkürzung für Personaldienstleistungskaufmann/ -kauffrau. Wir haben ja schon darüber geschrieben.
Ausführlichst widmet sich das iGZ-Verbandsmagazin Z Direkt! diesem Thema:
Mit einem sechsseitigen Special setzt der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) in der vierten Ausgabe 2009 seines Verbandsmagazins Z Direkt! den Schwerpunkt auf den Ausbildungsweg zum/ -r Personaldienstleistungskaufmann/ -kauffrau. “Damit”, so Werner Stolz, “reagieren wir nicht zuletzt auch auf die erneut hohe Anmeldungszahl – rund 700 Jugendliche haben sich 2009 für den Ausbildungsweg zu Personaldienstleistungskaufleuten entschieden”.
Der Ausbildungsweg zu Personaldienstleistungskaufleuten wurde maßgeblich von den drei Zeitarbeitgeberverbänden AMP, BZA und iGZ initiiert und ging 2008 mit rund 1200 Auszubildenden erstmals an den Start. Zum Start der zweiten Generation in der branchenübergreifenden Ausbildung gibt es vom iGZ Positives zu berichten: In Zusammenarbeit mit LexisNexis entsteht derzeit ein ganz neues Internetportal: PDK-Azubi, das voraussichtlich ab Februar 2010 professionelles Lernmaterial für Azubis wie auch für die Berufsschullehrerschaft bieten wird.
“Das neue Internetportal”, freut sich Stolz, “wird ein Leitfaden, der sowohl Berufseinsteigerinformationen als auch sämtliche Inhalte des Rahmenlehrplans abdeckt und so die Auszubildenden vom ersten Arbeitstag bis zu Ihrer erfolgreichen Abschlussprüfung begleitet”. Mit multiple choice-Tests können sich die künftigen Personaldisponenten zudem gründlich auf die anstehenden Prüfungen vorbereiten.
Reportagen, Interviews und aktuelle Berichte bieten einen umfangreichen Einblick in den Alltag der PDK-Azubis in ihren Umfeldern Schule und Zeitarbeitsunternehmen. Darüber hinaus informiert die Z Direkt! 4/2009, die in der Woche vor Weihnachten als Print ausgeliefert und vorab auf den Internetseiten des iGZ zum Download steht, über zahlreiche Aspekte der Zeitarbeit, jüngste Ereignisse im Zeitarbeitgeberverband und über das ehrenamtliche Engagement der Funktionsträger im mitgliederstärksten Arbeitgeberverband der Zeitarbeitsbranche.
Was ich richtig gut finde: Die Site für das neue Portal ist schon online.
Natürlich noch ohne Inhalte, offizieller Start ist ja erst im Februar. Aber: Man kann sich schon jetzt registrieren und aktiv an der Entwicklung des Portals mitarbeiten. So hat das Portal eine Chance, wirklich entlang der Nutzer-Interessen aufgebaut zu werden. Sehr gute Sache das.
Wir haben zwar erst kürzlich über den neuen Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung berichtet. Aber weil Qualifizierung so wichtig ist und weil es eine gemeinsame Initiative aller drei großen Verbände für Zeitarbeit ist, veröffentlichen wir hier noch einmal die niegelnagelneue Pressemitteilung zu diesem Thema:
Der Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung des HZW geht weiter – Anmeldungen sind noch bis Januar möglich
Nach einem erfolgreichen ersten Jahr des Zertifikatslehrgangs Personaldienstleistung haben am 20. November 2009 die neuen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die deutschlandweit einzigartige Weiterbildung für Personaldienstleister auf akademischem Niveau am Hochschulzentrum für Weiterbildung (HZW) der Fachhochschule Gießen-Friedberg begonnen. Prof. Dr. Ulrich Vossebein, Leitender Direktor des HZW, und Prof. Dr. Harald Danne, Vize-Präsident der FH Gießen-Friedberg, begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Friedberg und informierten über das praxisnahe Studium an der FH Gießen-Friedberg. Auch die Vorstands- bzw. Präsidiumsmitglieder der drei kooperierenden Branchenverbände, Mirco Melega (AMP), Wilhelm Oberste-Beulmann (BZA) und Michael Hacker (iGZ), richteten Grußworte an die Anwesenden.
Der berufsbegleitende Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung richtet sich an Personen, die in der Personaldienstleistungsbranche tätig sind, bereits über praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügen und diese durch eine qualifizierte Weiterbildung auf Hochschulniveau ergänzen möchten. In der einjährigen Weiterbildungsmaßnahme werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem in Personalmanagement, Marketing und Sozialkompetenz weiterqualifiziert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf rechtlichen Themen, wie Arbeits-, Tarif- und Vertragsrecht. Die während des Zertifikatslehrgangs erworbenen Leistungen können auf einen anschließenden Bachelorstudiengang voll angerechnet werden.
Ein Einstieg in das laufende Programm ist noch bis zum 20.01.2010 möglich. Weitere Informationen dazu erhalten Sie bei Julia Schäfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des HZW, Tel. 06441 / 44597-263, julia.schaefer@hzw.fh-giessen.de, www.hz-weiterbildung.de.
Der Zertifikatslehrgang wurde im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister e.V. (AMP) entwickelt und wird ab diesem Jahr von den beiden anderen Branchenverbänden mitgetragen: dem Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Die drei Verbände haben bereits gemeinsam den Ausbildungsberuf zum Personaldienstleistungskaufmann/-frau ins Leben gerufen und begrüßen es sehr, dass es nun auch eine akademische Ausbildung für die Personaldienstleistungsbranche gibt.
Kontakte:
AMP e.V., BZA e.V., iGZ e.V.
Qualifizierung ist wichtig für das berufliche Fortkommen. Das predigen (nicht nur) die Zeitarbeitfirmen immer lauter und öfter.
Und sie werden zunehmend auch in der eigenen Branche aktiv. Auch in den Zeitarbeitfirmen selbst wird zunehmend auf Qualifizierung statt ausschließlich auf Quereinstieg gesetzt. Zwei (recht) neue Ausbildungen im Bereich der Personaldienstleistungen lassen den Job von der Pike auf lernen:
Personaldienstleistungskaufmann (PDK):
Beruf mit dreijähriger Ausbildung, existiert seit August 2008. Zum Start 2008 meldeten sich 1.300 (!) Bewerber aus der Zeitarbeitsbranche an.
Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung:
Studiengang über zwei Semester an der Fachhochschule (FH) Gießen-Friedberg (Hessen), berufsbegleitend. Wird getragen von den drei großen Zeitarbeitsverbänden: Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ), Bundesverband Zeitarbeit (BZA), Arbeitgeberverband mittelständischer Personaldienstleister (AMP).
Inhalte: Marktstruktur, Sozialkompetenzen, Marketing und Kundenmanagement, Fragen der Personalbeschaffung und Personalführung; rechtliche Themen wie Arbeitsrecht, Vertragsrecht und Tarifrecht in der Zeitarbeit.
Abschluss: Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer das Prädikat “Zertifizierter Personaldienstleister”, ein von der FH und den Verbänden BZA, iGZ und AMP ausgestelltes Zertifikat.
Quelle: iGZ-Artikel vom 4.1.2009
Klasse fände ich’s ja, wenn die für Zeitarbeit zuständigen Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit eine dieser beiden Ausbildungen machen würden. Das würde ihnen sicher helfen, ihrer Beratungstätigkeit noch kompetenter nachzukommen.
Foto: Henry Klingberg, pixelio
Zwei Millionen für die Weiterbildung der Mitarbeiter innerhalb eines Jahres. Wow! Das klingt ganz schön gewaltig, nicht wahr? Dachte ich auch, als ich die Überschrift im Artikel von Solidbau über den Baukonzern Alpine las. “Hey, ein Unternehmen, das richtig viel Geld in die Qualifizierung des eigenen Personals steckt, Klasse!” dachte ich.
Aber, rechnen wir das doch mal durch, freundlicher Weise liefert der Artikel ja alle nötigen Zahlen dazu:
Das Unternehmen hat 15.530 Mitarbeiter. Die Weiterbildungen sollen 2010 für ausnahmslos alle Mitarbeiter stattfinden.
Das macht also pro Kopf genau 128,78 €. Wohlgemerkt auf ein ganzes Jahr verteilt. Das ist herzlich, herzlich wenig.
Ich kenne jedenfalls keine anständige Weiterbildung, die unter 500.- € pro Person zu bekommen ist.
Schauen wir uns weiter an, wie sich die Investitionen in die Mitarbeiter-Weiterbildung im Verhältnis zum Jahresumsatz des Unternehmens verhalten:
Alpine 2008 hatte einen Jahresumsatz von rund 3,5 Milliarden Euro.
2 Millionen Euro sind sage und schreibe 0,057 Prozent davon, das ist weit weniger als ein Tausendstel des Umsatzes. Eigentlich ist das so wenig, dass ich mich frage, warum das Unternehmen mit diesen Zahlen noch trommeln geht…
Das Ganze in besser vorstellbaren Zahlen: Jemand hat 3.500.- € und gibt 2 Euro davon für die Qualifizierung seiner Mitarbeiter aus.
Tja, wenn man mal genauer liest, relativieren sich diese hohen Zahlen ganz schön, nicht wahr? So hab ich mich auch beim ersten oberflächlichen Lesen von der Macht der hohen Zahlen blenden lassen.
Wobei mich mal interessieren würde, wieviel andere Unternehmen so durchschnittlich in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter investieren. Muss ich mal recherchieren.
Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio
Auf schlau sagt man ‘Bartergeschäft‘ zu dem, was ich Ihnen vorschlagen möchte. Sie können’s aber auch einfach ‘Austausch von Können oder Wissen‘ nennen.
Arbeitslosigkeit hat einige unangenehme Seiten. Aber sie hat auch zumindest einen Vorteil: Sie haben relativ viel Zeit. Das gilt natürlich auch für Zeitarbeiter, die gerade in kein Unternehmen entliehen sind.
Sie haben Zeit, die Sie sinnvoll nutzen können. Zum Beispiel, um sich weiterzubilden, um sich Fähigkeiten und Können anzueignen, die Ihnen vielleicht helfen, leichter einen Job zu finden. Oder die einfach Ihren Horizont erweitern, Ihre Lebensqualität steigern.
Sie könnten zum Beispiel
- lernen, wie Sie richtig gute professionelle Bewerbungen schreiben
- Ihre Computerkenntnisse verbessern
- Ihre Fremdsprachen- oder Deutsch-Kenntnisse aufpolieren
- Ihre Mathematik-Kenntnisse auffrischen
- lernen, wie man einen Garten pflegt, um irgendwann vielleicht einen Nebenverdienst dadurch zu haben
- ein neues Hobby erlernen
Klar, professionelle Weiterbildungen, Kurse, Nachhilfestunden kosten normaler Weise Geld.
Geld, das Sie wahrscheinlich nicht übrig haben, wenn Sie arbeitslos sind.
Aber das bedeutet nicht, dass mein Vorschlag nicht trotzdem funktionieren kann.
Denn jeder von uns kann ein paar Sachen richtig gut, die andere nicht so gut können.
Oder man weiß über bestimmte Themen Bescheid, in denen sich andere noch nicht so gut auskennen.
Sie müssen jetzt nur noch die Leute finden, denen Sie weiterhelfen können mit Ihrem Können oder Wissen und die umgekehrt Fähigkeiten haben, von denen Sie profitieren können. Dann helfen Sie sich gegenseitig, ohne dass einer von beiden etwas bezahlen muss und der Deal ist perfekt.
Überlegen Sie sich also, wodurch Sie anderen Menschen nützlich sein können und in welchen Bereichen Sie gern Unterstützung hätten.
Und dann beginnen Sie, sich im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, in der Nachbarschaft, beim Friseur, Einkaufen, Zahnarzt… umzuschauen und umzuhören. Sie werden staunen, wie schnell sich Teams finden lassen, die einander nützlich sein können.
Dieses Vorgehen hat neben der persönlichen Weiterbildung noch einige weitere Vorteile:
Sie
- lernen wahrscheinlich einige nette – und vielleicht sogar für Ihre berufliche Situation nützliche – Menschen besser kennen,
- halten Geist und/oder Körper fit, erweitern Ihren Horizont,
- haben eine sinnvolle Aufgabe – oder sogar zwei: Die Aufgabe des Lernens und die Aufgabe, die Sie im Austausch erfüllen,
- üben sich in Kommunikation, was für Vorstellungsgespräche und im Job immer wichtig ist,
- sammeln Pluspunkte bei möglichen zukünftigen Chefs oder Ihrem Berater in der Arbeitsagentur, wenn Sie von Ihrer Eigeninitiative erzählen,
- haben viel weniger Gelegenheit, griesgrämig immer tiefer ins Sofa zu sinken.
Gute Idee, dieses Tauschen von Wissen und Können, oder?
Foto: S. Hofschlaeger, pixelio
Hihi, da war mir in der Überschrift ein lustiger Tippfehler passiert: Statt ’staatlich’ hatte ich ’stattlich’ geschrieben. Hätte inhaltlich allerdings auch gestimmt. Denn die staatlichen Förderungen zur Qualifizierung von Mitarbeitern sind durchaus stattlich, wenn man sie – auch als Arbeitgeber – klug ausschöpft.
In der nächsten Zeit wird es hier immer mal wieder einen Beitrag zum Themenbereich Weiterbildung und Qualifizierung geben. Denn ich denke, die eigene Qualifizierung und Weiterbildung ist für Arbeitssuchende ein sehr wirksamer Hebel, um ihre Jobsituation zum Positiven zu verändern.
Und natürlich profitieren auch (Zeit-) Arbeitgeber von qualifizierten Mitarbeitern. Denn trotz der hohen Arbeitslosenquote herrscht in vielen Branchen ein heftiger Mangel an gut ausgebildetem Personal oder gar Spezialisten.
Voraussetzung jeder Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme ist natürlich: Jemand muss sie bezahlen.
Für Arbeitslose oder Geringverdienende sind die Kosten für Weiterbildungen oft kaum zu bewältigen, reichen doch Hartz IV oder der Lohn kaum zum Überleben.
Umso freudiger sind natürlich die Förderungsmöglichkeiten durch den Staat zu begrüßen, in 2009 ordentlich aufgestockt vom Konjunkturpaket II.
Und tatsächlich hat die Bundesregierung auch direkt für die Zeitarbeit ein Förder-Päckchen geschnürt, das da heißt:
Weiterbildungsförderung für wieder eingestellte Mitarbeiter in der Zeitarbeit
Auf der Seite Arbeitgeberinformationen – Förderung der beruflichen Weiterbildung Beschäftigter der Bundesagentur für Arbeit ist dazu zu lesen:
Mit dem Konjunkturpaket II hat die Bundesregierung erstmalig die Möglichkeit geschaffen, Leih-Arbeitnehmer bei Wiedereinstellung gezielt zu qualifizieren.
Voraussetzung hierfür ist, dass der Mitarbeiter bereits im Zeitraum 2007 und 2008 bei Ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und die Arbeitslosigkeit durch Wiedereinstellung in Ihrem Unternehmen beendet wird.
Weitere Kriterien sind:
- Die Arbeitnehmerin / der Arbeitnehmer wird für die Teilnahme an der Weiterbildung von der Arbeit freigestellt (keine Freistellung aus wirtschaftlichen Gründen zur Vermeidung von Kurzarbeit) und hat für die Dauer der Weiterbildung Anspruch auf Arbeitsentgelt.
- Die Weiterbildung findet während betriebsüblicher Arbeitszeiten statt.
- Sowohl der Bildungsträger als auch die Maßnahme sind durch eine fachkundige Stelle für die Weiterbildungsförderung zugelassen.
- Die Weiterbildung erhöht die Kompetenz des Mitarbeiters für den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Der Arbeitnehmerin / dem Arbeitnehmer können die notwendigen Lehrgangskosten erstatten werden. Darüber hinaus kann einen Zuschuss zu den notwendigen übrigen Weiterbildungskosten (z. B. Fahrkosten) gewährt werden.
Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen erhalten für die Förderung einen Bildungsgutschein. Damit können sie unter zugelassenen Weiterbildungsangeboten wählen.
Für weiterbildungsbedingte Ausfallzeiten gering qualifizierter Arbeitnehmer kann Ihnen die Agentur für Arbeit ggfs. einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt gewähren. Gering qualifiziert ist, wer keine abgeschlossene Berufsausbildung hat. Als gering qualifiziert gilt auch, wer eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, aber seit mindestens vier Jahren in an- oder ungelernter Tätigkeit beschäftigt wird und die erlernte Tätigkeit nicht mehr ausüben kann.
In dem PDF Weiterbildung für Beschäftigte in Zeitarbeitsunternehmen – Wiedereinstellen und Qualifizieren wird für Arbeitgeber alles Wissenswerte dazu zusammengefasst.
Ok, für die Zeitarbeitgeber bedeutet diese Förderung, dass sie zumindest einen Teil des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung selbst tragen müssen, und dass, obwohl sie die betreffenden Mitarbeiter während der Weiterbildung nicht an ein Unternehmen entsenden können. Nicht einfach, besonders in Zeiten der Krise.
Aber: Wirklich jeder rechnet mit einem Boom der Zeitarbeit, wenn die Krise vorüber ist. Und dann werden natürlich besonders qualifizierte Mitarbeiter händeringend gesucht werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit rechnet sich die jetzige Investition in die Qualifizierung der Mitarbeiter spätestens dann.
Foto: S. Hofschlaeger, pixelio
Am vergangenen Mittwoch, 2. September hatte DerZeitarbeits-Check.de ins Schulungszentrum des TÜV Nord Hamburg zu einer Veranstaltung zu Thema Mitarbeiter-Qualifizierung eingeladen:
Qualifizierung speziell für die Zeitarbeit
Es wurde ein Nachmittag voller Überraschungen, aufschlussreicher Erkenntnisse und wirklich spannender Gespräche. Es ging für gleich los mit der ersten Überraschung: Über 40 (!) Verantwortliche aus Zeitarbeits- und Weiterbildungsunternehmen kamen und tauchten schon vor der eigentlichen Eröffnung in angeregte Gespräche miteinander ein.
Nach der Begrüßung durch Oliver Repp gab es 4 Kurzvorträge zu hören und zu sehen:
Thomas Mesenich, Teamleiter des Zeitarbeitsteams der Agentur für Arbeit Hamburg, erläuterte: Welche Förderungsmöglichkeiten durch die Bundesagentur für Arbeit gibt es zur Qualifizierung von Zeit- und Kurzarbeitern?
Er erklärte Details der Programme WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) und KUG (Kurzarbeitergeld).
Rolf Schoras berichtete, dass und wie sein Unternehmen Jobpower „Qualifizierung als Karrierechance für gewerbliche Hilfskräfte“ begreift.
Frau Harms und Frau Staats stellten das Zeitarbeitunternehmen Randstad vor. Am Beispiel der Flugzeugbranche sprachen sie über Qualifizierung von Mitabeitern und die positiven Folgen davon.
Sehr inspirierend war die Präsentation der „Langen Nacht der Industrie“ von Jürgen Henke, Geschäftsführer von prima events. Dieses Event hat viele Nutzen, Herr Henke stellte – passend zum Thema der Veranstaltung – in seiner Präsentation die Möglichkeit „unkonventionell Fachkräfte zu finden“ besonders heraus.
Wirklich spannend war die abschließende Diskussion, bei der im Podium verschiedene Weiterbildungsträger saßen. Natürlich konnte in dieser Diskussion keines der benannten Probleme abschließend gelöst werden, aber es kristallisierten sich Fragestellungen heraus, die vielleicht im weitergehenden Dialog von Zeitarbeitunternehmen und Weiterbildnern gelöst werden können:
Die Weiterbildner haben oft das Problem, für angebotene Kurse nicht genügend Teilnehmer zu bekommen. Eine mögliche Abhilfe wäre eine stärkere Vernetzung dieser beiden Gruppen. Dann wüssten die Zeitarbeitunternehmen besser, was angeboten wird und könnten ihre Leiharbeiter rechtzeitig zu Maßnahmen anmelden. Außerdem könnten sich durch intensiveren Austausch die Weiterbildner auf die tatsächlichen Qualifizierungs-Bedarfe der Zeitarbeitunternehmen einstellen. Ergebnis eines besseren Networkings zwischen diesen beiden Gruppen wäre also ein besseres Zusammenpassen von Angebot und Nachfrage.
In der Diskussion wurde z. B. geäußert, dass kaum ein Zeitarbeitunternehmen es sich leisten kann, Zeitarbeiter für sehr lange Qualifizierungsmaßnahmen über mehrere Monate am Stück freizustellen. Zumal die Maßnahmen sehr selten so aufgebaut sind, dass Unterbrechungen möglich sind, weil Teilnehmer akut von einem Entleihunternehmen gebraucht werden.
Das Thema „sich eine Qualifizierung nicht leisten können“ reichten die Diskussionsteilnehmer auch gleichzeitig an die Bundesanstalt für Arbeit weiter: Sie monierten, dass die Förderungen der BA zu niedrig seien, um Qualifizierungsmaßnahmen von Zeitarbeitern finanziell handhabbar zu machen.
Zwecks besserer Vernetzung zwischen Zeitarbeitunternehmen und Weiterbildnern wurde angeregt, zum Beispiel die verschiedenen Verbände in die Kommunikation einzubeziehen.
Worüber – und da sage ich: leider – in der Diskussion selbst nicht gesprochen wurde, waren die Bedürfnisse der Weiterbildungs-Teilnehmer selbst. Es wird oft geklagt, dass sich zu Wenige für Weiterbildung und Qualifizierung interessieren. Wie ich ja im Artikel Weiterbildung per Daumenschraube? schon schrieb, überlegt man sogar, Weiterbildungsmaßnahmen gesetzlich verpflichtend zu machen.
Wäre ich Weiterbildner, würde ich diese Klagen und Überlegungen der Politik zum Anlass nehmen, zu überlegen, wie ich meine Qualifizierungsmaßnahmen so attraktiv, qualitativ gut, motivierend, spannend… gestalten kann, dass mehr Teilnehmer von allein kommen. Und wie ich die Maßnahmen so gestalte, dass die Teilnehmer währenddessen hochmotiviert sind und die Maßnahme mit dem Gefühl abschließen, etwas wirklich Tolles mitgemacht zu haben.
Damit würde gleichzeitig auch ein Teil des Problems der zu geringen Teilnehmerzahlen in Weiterbildungsmaßnahmen angegangen: Begeisterte Teilnehmer empfehlen die Maßnahmen nämlich weiter. Und Empfehlungsmarketing ist, wie wir alle wissen, einer der besten Umsatzbeschleuniger.
In den Yahoo-Nachrichten stand gestern zu lesen:
Kurzarbeiter sollten nach Ansicht von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück notfalls dazu verpflichtet werden, an Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen. «Es ist enorm wichtig, dass Kurzarbeiter die Qualifizierungsangebote der Arbeitsagentur nutzen», sagte der SPD-Politiker dem «Hamburger Abendblatt» (Samstagausgabe). Wenn deren Angebote jedoch «weiter unzureichend wahrgenommen würden, sollten wir eine verpflichtende Lösung prüfen».
Hmm, ich bin dagegen.
Ja, Androhung von Nachteilen funktioniert in vielen Fällen. Wir halten uns meistens an Regelungen, zu denen wir per Androhung von Unbill gezwungen werden. Ich erinnere z. B. an die Pflicht, sich im Auto anzuschnallen (der Sicherheitsgurt feiert dieses Jahr übrigens seinen 50. Geburtstag). Trotz vieler, teurer und auf allen Kanälen laufender Appelle schnallten sich vor der Einführung der Gurtpflicht nur sehr Wenige in Deutschland an. Erst nach der Einführung der Gurtpflicht, heftigen Kontrollen UND Geldstrafen stieg die Zahl auf 97 %.
Und ja, auch ich finde Weiterbildung für Kurzarbeiter, Arbeitslose, Zeitarbeiter, Selbstständige, Angestellte – kurz: für jeden: ganz, ganz wichtig.
Ich frage mich auch oft, warum so wenig Leute von den Angeboten der Agentur für Arbeit oder anderen Institutionen Gebrauch machen.
Jede Weiterbildungsmaßnahme erhöht die Chancen auf einen guten Job.
Aber: Ich glaube einfach nicht daran, dass Weiterbildungsmaßnahmen, zu denen die Leute gezwungen werden, irgendwem irgendwas bringen. Wer hat etwas davon, wenn sich erwachsene Menschen in solchen Weiterbildungen völlig gelangweilt und desinteressiert den Hintern platt sitzen; die nur da sind, weil sie dazu gezwungen wurden? Ich sag: Niemand.
Und mal ehrlich: Viele der Weiterbildungen sind wirklich grottenlangweilig und qualitativ einfach schlecht.
Ich fände es wesentlich sinnvoller, die Weiterbildungen für den Ersten Arbeitsmarkt interessanter, qualitativ besser, zielgruppenorientierter zu machen. Ich denke, tolle Maßnahmen werden sich sehr schnell herumsprechen und binnen kurzer Zeit auch deutlich besser besucht sein. Freiwillig. Von motivierten Teilnehmern. Die Lust dazu haben und die eingesehen haben, dass die Maßnahmen Sinn machen und sie weiterbringen.
Foto: Michael Bührke, pixelio
|
|
|