Und wieder mal ist es die Hans-Böckler-Stiftung, konkret ihr Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), das dabei hilft, Zusammenhänge aus der Welt der Arbeit – natürlich auch der Zeitarbeit – transparent zu machen. Diesmal ist es eine Datenbank, die die Anzahl der Beschäftigten in den Jahren 2003 bis einschließlich 2008 in allen Kreisen Deutschlands zur Verfügung stellt.
Dabei sind die Gesamtzahlen aufgesplittet in diese Rubriken:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SVB): Insgesamt, Primärer Sektor, Sekundärer Sektor, Tertiärer Sektor, Handel, Gastgewerbe, Verkehr, nach der Qualifikation, ohne Ausbildung, mit Ausbildung, Höhere Fachschule, FH oder Uni, keine Angabe, Vollzeit, Teilzeit, Leiharbeit; Mini-Jobs; Arbeitsgelegenheiten / Ein-Euro-Jobs.
Der Bereich der Leiharbeit ist in einer interaktiven Landkarte besonders anschaulich aufbereitet: Für jedes Bundesland gibt es eine Landkarte. In ihr ist der jeweilige Anteil der Leiharbeiter an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eingezeichnet. Besonders aufschlussreich wird die grafische Darstellung durch die verschiedenen Farbgebungen je nach prozentualem Anteil pro Region innerhalb eines Bundeslandes.
Dabei ergeben sich teilweise – zumindest für mich – überraschende Ergebnisse. Ich hatte erwartet, dass der Anteil der Zeitarbeiter prozentual umso höher liegt, je größer eine Stadt ist.
Stimmt aber nicht. Denn – Zitat WSI:
Hohe Quoten weist die Feinanalyse überwiegend für mittelgroße Städte mit 50.000 bis 200.000 Einwohnern aus: In Orten wie Heilbronn, Plauen, Braunschweig, Ulm, Zwickau, Eisenach, Landshut, Wolfsburg oder Ansbach arbeiteten im Juni 2008 sechs bis zwölf Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für eine Verleihfirma.
Dieser Satz erklärt das allerdings dann auch schon wieder:
Relativ häufig sind Städte mit Leiharbeits-Intensivnutzung industriell geprägt.
Denn die wirklichen großen Städte wie Berlin, Hamburg, München… sind in der Regel nicht so stark industriell geprägt, sondern haben ihre Industriegebiete in Randgebieten und Vororten. Und tatsächlich gibt es ja die mit Abstand meisten Leiharbeiter in der Industrie.
Was ich auch spannend finde:
“Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Leiharbeit vor Ausbruch der Krise zumindest regional auf dem Weg war, zu einer durchaus bedeutsamen Beschäftigungsform zu werden”, sagt WSI-Forscher Alexander Herzog-Stein.
Das finde ich eigentlich ziemlich gut. Denn Zeitarbeit ist ja nichts an sich Schlechtes, wenn die Zeitarbeiter in ihren Rechten und Vergütungen den Fest-Beschäftigten gleichgestellt sind. Insofern hoffe ich zweierlei:
Dass an eben dieser Gleichstellung schnell, hart und erfolgreich gearbeitet wird.
Und dass sich die Zeitarbeitbranche bald wieder erholt, damit möglichst viele wieder aus der Beschäftigungslosigkeit herauskommen.