Archive für die Kategorie 'Politik'

Aug
11
KOM
 

Es ging wie ein Lauffeuer durch die Medien: Marcus Schulz, Chef des  Personaldienstleisters USG People Germany, sprach in einem Interview mit der WirtschaftsWoche (Nr. 32 I 9.8.2010) über den Ruf der Zeitarbeits-Branche und über Tricks im Tagesgeschäft. Bernd Rath, Inhaber der BERA PERSONALdienstleistungen GmbH sekundierte im Artikel „Es geht auch anders“ (S. 37 ff.).

Das Gesagte wurde in der Branche stark unterschiedlich bewertet. Während die einen durchaus zustimmten, lehnten andere die Aussagen schlichtweg ab. Doch was genau haben Bernd Rath und Marcus Schulz gesagt, das so manchem die Zornesröte ins Gesicht steigen ließ?

Marcus Schulz prangerte den nicht korrekten Umgang mit Zeitarbeitnehmern, wie z. B. die vorsätzlich falsche Eingruppierung an. Diese hat zur Folge, dass Zeitarbeitnehmer weniger Stundenlohn erhalten, als sie eigentlich verdienen müssten.

Auch würden systematisch Tricks mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen angewendet, um „einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt“.

Bernd Rath sagte es kurz und knapp: „Es wird in vielen Unternehmen systematisch beschissen“.

Die Frage nach der Anzahl von Schwarzen Schafen in der Branche konnte Marcus Schulz jedoch nicht beantworten: „Es geht eben nicht nur um schwarze Schafe, sondern um Grautöne und Grauzonen, die in einigen Zeitarbeitsunternehmen im Alltagsgeschäft noch gang und gäbe sind.“

Beide blieben relativ vage, Zahlen wurden nicht genannt. Warum?

Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: weil selbst der Geschäftsführer eines sehr großen Personaldienstleisters genaue Zahlen nicht kennen kann!

Mit mehr als 16.000 Unternehmen/Niederlassungen ist die Branche derart umfangreich, dass eine Einzelperson – naturgemäß – nur einen kleinen Ausschnitt erlebt haben kann. Das gilt für die Arbeitgeberseite ebenso wie für Arbeitnehmer – selbst wenn sie bereits in mehreren Zeitarbeitsfirmen tätig waren.

Eine sinnvolle Option, die Erfahrungen Einzelner zusammenzutragen und daraus einen möglichst umfassenden Überblick zu gestatten, bietet DerZeitarbeits-Check.de. Hier können viele Aspekte der Zeitarbeitsbranche – positive und negative – zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.

Was ist nun die Quintessenz des Interviews mit Marcus Schulz?

Er weist darauf hin, dass es an der Branche und den einzelnen Unternehmen liege, den Missbrauch einzudämmen und die Tricks zu unterbinden. Hier sind die jeweils Verantwortlichen gefragt: Niederlassungs- und Regionalleiter, Revisionsverantwortliche, Geschäftsführer und Vorstände. Die Zeitarbeit habe „nicht nur Korrekturbedarf in der Kommunikation, sondern auch in der Art, wie manche arbeiten“, so Schulz.

Um nun nicht alles schlecht zu reden, sollte auch gesagt werden, dass es viele Personaldienstleister gibt, die nicht tricksen. Deren Verantwortliche haben verstanden, dass ihre Zeitarbeitnehmer nicht nur Mittel zum Zweck, sondern DIE Grundlage ihres Unternehmens sind. Ohne sie kann Zeitarbeit nicht funktionieren.

Allerdings sind auch die durchweg seriösen Zeitarbeitsfirmen oftmals nicht bekannt – doch genauso wie Schwarz und Grautöne gehört auch Weiß zu einem vollständigen Gesamtbild.

 
Jul
29
KOM
 

Perrsonalagentur »Fair & Findig« befürwortet den Equal Pay-Grundsatz

»Fair & Findig«

Mit der Gründung der Personalagentur möchte das Team der »Fair & Findig« GmbH sein eigenes Unternehmenskonzept verwirklichen. Das Trio, Silvia Hillebrand sowie die Schwestern Evelyn und Incila Dogan, verfügt zusammen über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Zeitarbeit.

Es werden Fachkräfte aus dem kaufmännischen, medizinisch- und gewerblichen Bereich vermittelt und überlassen. Fachkräfte, die als Zeitarbeitnehmer bei Kunden diverser Branchen eingesetzt werden, zeichnen sich durch fundiertes Know-how, Veränderungsbereitschaft sowie ein hohes Maß an Flexibilität aus.

Bei »Fair & Findig« spielen Wertschätzung und Respekt eine elementare Rolle. Vor diesem Hintergrund ist das Team Befürworter des Equal Pay-Grundsatzes, nach dem Zeitarbeitnehmer bei einer vergleichbaren Qualifikation dieselbe Vergütung wie Neueinsteiger in der Direkteinstellung erhalten.

»Wir vertreten den Standpunkt, dass Menschen gerecht entlohnt werden und im sozialen Umfeld der Kundenunternehmen gänzlich integriert werden müssen. Unsere Mitarbeiter haben das Recht, sich bei der Arbeit genauso zu Hause zu fühlen und anerkannt zu werden wie ihre Kollegen aus der Stammbelegschaft «, sagt »Fair & Findig«-Geschäftsführerin Silvia Hillebrand. »Wir wollen den Weg für Equal Pay ebnen und gehen mit unseren Kunden in den Dialog. Nur wenn der Kunde und das Zeitarbeitsunternehmen gemeinsam dieses Ziel verfolgen, sind die Voraussetzungen dafür geschaffen.«

Durch die Optimierung des eigenen Geschäftsablaufs, das heißt die Lohn- und Finanzbuchhaltung im eigenen Haus und ein flexibel einsetzbares internes Team, fließt diese Kosteneinsparung bei der Firma »Fair & Findig« direkt als Zulage zu dem im iGZ-Tarifvertrag festgelegten Stundenlohn.

Selbstverständlich ist »Fair & Findig« bereit, den Kunden, die Wert auf die Gleichbehandlung ihrer Mitarbeiter legen, ihre Preiskalkulation transparent offen zu legen. Diese Preiskalkulation wird dem Stundenlohn des Mitarbeiters fair angepasst.

Als weiteren Arbeitsbereich bietet »Fair & Findig« einen Lohn- und Gehaltsabrechnungs- Service für kleine und mittelgroße Betriebe an.

Das Team der »Fair & Findig« GmbH

Das Team der »Fair & Findig« GmbH: Silvia Hillebrand (Mitte) sowie Evelyn und Incila Dogan

 
Jun
15
KOM
 

Das folgende Interview wurde mit einem der Mitgliedsunternehmen von DerZeitarbeits-Check.de geführt. Unsere Gesprächspartnerin ist außerdem ehrenamtliche Regionalsprecherin des BZA, des Bundesverbands Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen e. V.

Unsere Fragen beantwortete diesmal Sheena Kaminsky, Geschäftsführerin und Inhaberin von DACAPO Unternehmen für Zeitarbeit GmbH in Hamburg.

Sheena_Kaminsky

DerZeitarbeits-Check.de: Frau Kaminsky, aus welchem Grund haben Sie DACAPO gegründet?

Ich war bereits einige Jahre als Niederlassungsleiterin in der Zeitarbeit angestellt. Leider musste dieses Unternehmen Insolvenz anmelden. Ich wusste jedoch, dass meine Niederlassung in Hamburg positive Zahlen schrieb und habe dann beschlossen, die Niederlassung samt Mitarbeiter zu übernehmen.

DerZeitarbeits-Check.de: Haben Sie sich auf bestimmte Branchen oder Bereiche innerhalb der Zeitarbeit spezialisiert?

DACAPO arbeitet in den gewerblichen und kaufmännischen Bereichen. Also, SchlosserInnen, StaplerfahrerInnen, SekretärInnen, SachbearbeiterInn etc.

DerZeitarbeits-Check.de: Welche Dienstleistungen bieten Sie Kunden und Mitarbeitern an?

Traditionelle Zeitarbeit, guten Service, Zuverlässigkeit, Einsatzfreude, stets ein offenes Ohr für Probleme und Kritik.

DerZeitarbeits-Check.de: Was ist für Ihre Mitarbeiter und insbesondere für die Zeitarbeitnehmer das Besondere?

DACAPO gibt es nunmehr fast 29 Jahre und ich selber bringe 33 Jahre Berufserfahrung in der Zeitarbeit mit. Von diesem Erfahrungsschatz können unsere Mitarbeiter – intern und extern – profitieren.

Für Neu-  und Wiedereinsteiger bieten sich bei uns zahlreiche Möglichkeiten, interessante Tätigkeiten zu übernehmen, um so in kürzester Zeit unterschiedliche Erfahrungen sammeln.

Wir bieten Zeitarbeitnehmern die Möglichkeit, in verschiedenen Firmen „reinzuschnuppern“, ohne sich fest binden zu müssen. Viele unserer Mitarbeiter haben auf diesem Weg ihren Traumjob gefunden.

DerZeitarbeits-Check.de: Welche Voraussetzungen sollten Menschen vor allem mitbringen, um von Ihnen als Zeitarbeitnehmer beschäftigt zu werden?

Sie sollten offen für Neues sein, kontaktfreudig, zuverlässig und wirklich flexibel.

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DerZeitarbeits-Check.de: Was können Ihre Zeitarbeitnehmer erwarten?

Als BZA –Mitgliedsunternehmen erfüllt DACAPO besondere Qualitäts- und Verbandsstandards und hat sich dem BZA-Kodex „Grundsätze für die Berufsausübung als Zeitarbeitsunternehmen“ verpflichtet.

Auch bieten wir unseren Arbeitnehmern neben der gesetzlichen, sozialen Absicherung einen attraktiven und zeitgemäßen Tarifvertrag. Natürlich werden unsere Mitarbeiter auch arbeitsmedizinisch betreut.

Darüber hinaus übernimmt DACAPO Qualifizierungsmaßnahmen wie zum Beispiel den Erwerb des Gabelstaplerscheines, Sprach- oder Computerkurse.

DerZeitarbeits-Check.de: Sie sind aktives Mitglied im BZA – aus welchem Grund?

Die BZA Mitgliedschaft sichert uns eine gute Position am Markt und wird auch von potentiellen Kunden als Qualitätsmerkmal wahrgenommen. Als Inhaberin von DACAPO und Mitglied des BZA-Vorstandes kann ich außerdem die Entwicklung  des Verbandes aktiv begleiten und mit gestalten.

Natürlich schätze ich auch den intensiven Erfahrungsaustausch, den aktiven Gestaltungsspielraum und die vielen wertvollen Impulse, die mir die Verbandsarbeit bietet.

DerZeitarbeits-Check.de: Warum haben Sie sich darüber hinaus entschieden, den BZA als Regionalsprecherin Nord zu vertreten?

Die Regionalarbeit des BZA betrachte ich als wertvollen Bestandteil des Verbandslebens. Durch eine aktive regionale Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, den Besuch einschlägiger Branchenveranstaltungen und einen persönlichen Dialog mit den Vertretern der Branche kann ich der Zeitarbeit hier in der Region Nord ein Gesicht geben.

Nicht zuletzt konnte ich maßgeblich dazu beitragen, dass der „Personaldienstleistungskaufmann/frau“ ins Leben gerufen wurde. Durch die Zusammenarbeit mit der Handelskammer und anderen Gremien war es uns gelungen, den Beruf des „Kaufmannes/frau für Bürokommunikation mit der Zusatzqualifikation „Personaldienstleistungen“ in Hamburg ins Leben zu rufen, ein Vorbote des heutigen PDK’s.

Außerdem freue ich mich, das uneingeschränkte Vertrauen der regionalen Zeitarbeitsunternehmen genießen zu dürfen – die Basis für eine erfolgreiche Regionalarbeit.

DerZeitarbeits-Check.de: In welcher Rolle sehen Sie den BZA Hamburg und Norddeutschland?

Zahlreiche Mitgliedsunternehmen des BZA sind in Norddeutschland ansässig, so dass der Verband hier durch ein enges Netzwerk gut repräsentiert ist – nicht zuletzt auch durch den Hamburger BZA Präsidenten Volker Enkerts.

Mit derzeit sechs Bezirken und den dazugehörigen Bezirkssprechern ist der BZA in der Region Nord, die Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasst, breit aufgestellt.

Natürlich gibt es noch einige weiße Flecken auf der Verbandslandkarte, die wir bemüht sind, mit Leben zu füllen.

DerZeitarbeits-Check.de: Wie unterstützt der BZA seine Mitglieder – insbesondere in wirtschaftlich stürmischen Zeiten?

Der BZA bietet seinen Mitgliedern zunächst einmal marktgerechte und zukunftssichere Tarifverträge mit dem DGB.

Durch eine kontinuierliche Lobbyarbeit, regelmäßige aktuelle Brancheninformationen zu Themen des Arbeits- und Tarifrechts, politische Entwicklungen, Arbeitssicherheit etc. und nicht zuletzt durch individuelle Beratung in Rechtsfragen sind die Mitglieder jederzeit optimal informiert.

Das zahlt sich aus – besonders in wirtschaftlich stürmischen Zeiten.

DerZeitarbeits-Check.de: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Zeitarbeit?

Die Zukunft der Zeitarbeit ist von verschiedenen Faktoren abhängig, die wir kaum oder nur wenig beeinflussen können: Die Entwicklung der Kundenbranche, der Konjunktur, dem Arbeitsmarkt, weltweite Trends und natürlich den politischen Rahmenbedingungen.

Perspektivisch glaube ich allerdings, steht einer anhaltenden positiven Entwicklung nur wenig im Weg. Schließlich ist die Zahl der Zeitarbeitnehmer innerhalb der letzten Monate wieder kontinuierlich gestiegen.

DerZeitarbeits-Check.de: Glauben Sie, dass die Menschen ausreichend gut über die Dienstleistung Zeitarbeit aufgeklärt sind? Wo sehen Sie Beratungspotential?

Hier besteht aus meiner Sicht noch viel Aufklärungsbedarf.

Noch immer wird Zeitarbeit als Synonym für prekäre Beschäftigung benutzt und einzelne Negativbeispiele undifferenziert auf die gesamte Branche projiziert. Dies schadet unserem Image erheblich. Die vielen positiven Aspekte der Zeitarbeit werden dabei leider oft völlig außer Acht gelassen.

Durch Präsenz auf Messen und den regelmäßigen Kontakten zu den Arbeitsagenturen bin ich ständig bemüht, Aufklärungsarbeit zu leisten und die vielen Facetten der Zeitarbeit aufzuzeigen.

Zeitarbeit ist für mich ein modernes Arbeitsmarktinstrument. Es ermöglicht einerseits unseren Kundenunternehmen, Auftragsspitzen oder personelle Engpässe flexibel zu handhaben und bietet andererseits den Arbeitnehmern die Möglichkeit, Berufserfahrungen in verschiedenen Unternehmen und Branchen zu sammeln.

Die Zukunft der Zeitarbeit ist schwer vorhersehbar – ich gehe allerdings von einer positiven Entwicklung aus.

Die neue Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP bedeutet für unsere Branche derzeit eine große Herausforderung, denn Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen erwägt neue Regulierungen – getrieben vor allem durch die Debatte um das Geschäftsmodell von Schlecker. Hier haben die Tarifvertragsparteien bereits eigenverantwortlich eine Lösung herbeigeführt und ihre gemeinsame Handlungsfähigkeit bewiesen.

Die Politik darf unsere Branche und deren positive Wirkung für den Arbeitsmarkt nicht wieder mit unnötigen Regulierungen behindern, so wie es derzeit einige Politiker und Gewerkschafter diskutieren.

Qualifizierte Mitarbeiter in der Zeitarbeit gewinnen vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels in unserer Branche zunehmend an Bedeutung. Deshalb bieten wir unseren Mitarbeitern zahlreiche Möglichkeiten zur weiteren beruflichen Qualifikation.

Die Wirtschaftskrise hat die Zeitarbeit je nach Region und Kundensegment unterschiedlich hart getroffen: Während es in einigen Bereichen starke Umsatzeinbrüche gab, ging es in anderen relativ stabil weiter. Insgesamt sank die Beschäftigung in der Zeitarbeit von 800.000 Mitarbeitern im August 2008 auf etwa 580.000 im April 2009.

Trotz aller Einschnitte bedeutet die Krise aber auch eine große Chance – vor allem für die Zeit nach dem Abschwung. Viele Unternehmen erkennen nun, wie wichtig es ist, flexibel zu sein und mit Zeitarbeitspersonal zu arbeiten.

Wir wünschen uns für die kommenden 12 Monate, dass insbesondere die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen für eine bestmögliche Entwicklungsperspektive unserer Branche schafft.

DerZeitarbeits-Check.de: Frau Kaminsky, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Continue reading Im Interview: DACAPO Unternehmen für Zeitarbeit GmbH

 
Feb
20
KOM
 

reichstagEin ‘bisschen’ spät, um einen heftigen Imageschaden noch abzuwenden: Die Drogeriekette Schlecker beendet nach den Lohndumping-Vorwürfen die ‘Zusammenarbeit’ mit der Leiharbeitsfirma Meniar – wobei ich das Wort ‘Zusammenarbeit’ hier formaljuristisch angewendet empfinde, ist Meniar doch eine Tochter Schleckers.

In diesem Blog war Schlecker ja schon mehrfach Thema:

Schlecker hebelt Arbeitnehmerrechte aus – wirklich unglaublich!

Arbeitsminister Naumann unterstützt Proteste gegen Schlecker XL

Die ‘Methode Schlecker’ Thema bei Anne Will am 24.01.2010

Aber wie auch immer.

Wie in Epoch Times am 12.01.2010 zu lesen, habe man seitens Schlecker

die öffentliche Diskussion um die Beschäftigung von Meniar-Leiharbeitern „bisher nicht nachvollziehen können“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens am Montagabend in Ehingen. Um die Diskussion zu beenden, habe Schlecker jedoch beschlossen, mit sofortiger Wirkung keine neuen Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit Meniar mehr abzuschließen.

Nicht nur in der Öffentlichkeit war Schlecker massiv unter Druck geraten, weil das Unternehmen seine Festangestellten zum Teil durch Meniar-Zeitarbeiter ersetzte, die nur die Hälfte des üblichen Gehalts bekommen. Auch die Bundesregierung wurde auf den Fall aufmerksam.

Epoch Times weiter:

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an. Möglicher Missbrauch von Leiharbeit soll notfalls mit schärferen Gesetzen eingedämmt werden. Von der Leyen betonte zugleich, ihr sei wichtig, dass nun das an sich gute Modell der Zeitarbeit nicht in Misskredit gerate. Viele Jobsuchende hätten dadurch überhaupt nur eine Chance am Arbeitsmarkt.

Am 19.02.2010 berichtet Epoch Times, dass man auf politischer Ebene inzwischen tatsächlich tätig geworden ist:

Die Union im Bundestag hat konkrete Vorschläge vorgelegt, wie der massenhafte Missbrauch der Zeitarbeit in Deutschland eingedämmt werden könnte. Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe, Peter Weiß, forderte am Freitag in Berlin eine Verschärfung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Künftig sollten Leiharbeiter längstens ein Jahr für weniger Lohn als die Stammbelegschaft arbeiten dürfen. Zudem müsse festgelegt werden, wie hoch die Abweichung vom Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ maximal ausfallen darf, sagte er.

Weiß forderte, die Kontrolle der Branche müsse dringend verschärft werden. „Wenn Zeitarbeit nur dazu dient, Lohndumping zu betreiben, hat sie ihre Berechtigung verloren.“ Weiß sagte, Leiharbeiter müssten nicht zwangsläufig im Nachteil sein. Er könne sich gut vorstellen, dass Firmen wegen Fachkräftemangel im nächsten Aufschwung sogar Lohnzuschläge für Zeitarbeiter als Ausgleich für die unsichere Beschäftigung zahlen.

Ich bin gespannt, wie das weitergeht…

Foto: Brigitte Niedermeier, pixelio

 
Feb
18
KOM
 

tauziehenDiese Tarifvertrags-Verhandlungen waren wohl wie ein heftiges Tauziehen, zwischen den Verhandlungspartnern Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) und Christliche Gewerkschaften.

Gewonnen am Ende haben wohl vor allem die Zeitarbeitnehmer.

Denn der AMP und die christlichen Gewerkschaften haben sich auf ein neues Tarifvertragswerk einigen können. Welche Eckdaten es bietet, ist in einer Pressemitteilung zu lesen:

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört u. a. eine lineare Anhebung der Entgelte: Im Westen steigen die Löhne ab 1. Juli 2010 um 3,4%, so dass es in der untersten Lohngruppe 7,60 € für ungelernte Zeitarbeitskräfte geben wird. Für den Osten wurde eine Anhebung um 4,1% vereinbart. In einem zweiten Schritt wird es zum 1. Juli 2011 eine Entgelterhöhung um 2% im Westen und um 2,5% im Osten geben. Außerdem haben sich AMP und Christliche Gewerkschaften auf eine Regelung geeinigt, die die Anwendung des neuen Tarifvertrages bei konzerninterner Arbeitnehmerüberlassung – wie im Fall Schlecker – ausschließt.

Aber einfach war es wohl nicht:

“Das waren die schwierigsten Verhandlungen, die ich jemals führen musste”, sagte Helmut Syfuß, Sprecher des AMP-Tarifausschusses und Vizepräsident des AMP, am 12. Februar 2010 in Berlin. “Wir mussten bis an unsere absolute Schmerzgrenze – und teilweise darüber hinaus – gehen, um mit den Christlichen Gewerkschaften überhaupt eine Einigung erzielen zu können.” …

“Bauchschmerzen bereitet mir besonders, dass wir uns verpflichten mussten, Verhandlungen über einen von allen Sozialpartnern unserer Branche gemeinsam getragenen Mindestlohntarifvertrag zu führen”, so Syfuß. “Der AMP hat sich aus guten Gründen immer gegen Mindestlöhne ausgesprochen, aber ohne dieses Zugeständnis wären die Verhandlungen geplatzt. Für uns war es dann doch wichtiger, für die Zeitarbeitsunternehmen ein zukunftssicheres Gesamtpaket zu schnüren. Und wenn der Abschluss am 1. März endgültig steht, bieten wir den Personaldienstleistern den einzigen aktuell gültigen Tarifvertrag für die Branche.”

Durch die Reihen der Zeitarbeitnehmer aber dürfte jetzt ein erleichtertes Aufatmen gehen. Zeichneten sich doch die Tarifverträge der christlichen Gewerkschaften bislang immer durch eklatant niedrigere Löhne aus als die Verträge aller anderen Gewerkschaften.

Ein tolles Signal, was hier gesetzt wurde.

Foto: S. Hofschlaeger, pixelio

 
Jan
31
KOM
 

besenNeue Besen kehren gut? Die Welt online titelt heute etwas Effektheischend: Ursula von der Leyen will “Hartz IV” abschaffen

Also, tatsächlich will sie nur den Namen von ‘Hartz IV’ geändert wissen, aber bis ich das rausgefunden habe, bin ich natürlich drin im Artikel. Na ja, was soll’s. Denn einige interessante Willensbekundungen – jedenfalls interessantere und in ihrer Auswirkung wichtigere als neue Namen für alte Schuhe – finden sich schon:

Von der Leyen spricht sich gegen die Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger aus, die Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vorgeschlagen wurde.

Die Regelsätze sollen nicht geringer werden.

Der Verlängerung der Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge bei der Kurzarbeit über 2010 hinaus steht von der Leyen offen gegenüber. „Ich bin im Moment im ganz engen Gespräch sowohl mit den Gewerkschaften als auch mit den Arbeitgeberverbänden. Wir sind uns einig: es hat sich bewährt, im letzten Jahr mit Augenmaß die Kurzarbeit weiter zu entwickeln. Diese Tradition behalte ich bei. Wir werden in der ersten Jahreshälfte klarstellen, wie es weitergeht“, sagte die Arbeitsministerin.

Zumindest Verständnis zeigt von der Leyen für den Wunsch der Metallindustrie, Zuschüsse für die Kurzarbeit zu bekommen. Gründsätzlich sei sie dieser Idee nicht abgeneigt, nur dürfe keine Branche bevorzugt werden.

Sie ist dagegen, die Beitragssätze für die Arbeitslosenversicherung ab 2011 von 2,8 auf 3 Prozent zu erhöhen.

Von der Leyen plädiert eindeutig und wiederholt für branchenspezifische Mindestlöhne.

Und:

Zudem plant sie Maßnahmen gegen den Missbrauch der Zeitarbeit. „Wenn jetzt aber einzelne Unternehmen die Zeitarbeit nutzen um Belegschaften zu ersetzen oder im Betrieb identische Arbeit für einen Bruchteil des Lohnes erledigen zu lassen, dann werde ich nicht zulassen, dass dadurch die gesamte Zeitarbeit in Verruf gerät. Schlupflöcher im Gesetz werden wir schließen“.

Neue Ministerin, alles neu, alles besser? Schau’n wir mal.

Foto: Ernst Rose, pixelio

 
Dez
02
KOM
 

elternSehr gut, diese Entscheidung, die die EU-Minister da getroffen haben:

Sie vereinbarten einen Verlängerung des Elternurlaubs auf bis zu vier Monate. Diese Nachricht fand ich beim Verlag Dr. Otto Schmidt.

Diese Verlängerung können Eltern EU-weit sowohl nach der Geburt als auch nach der Adoption eines Kindes in Anspruch nehmen.

Und: Es wird festgeschrieben, dass Eltern wegen der Inanspruchnahme nicht diskriminiert werden dürfen.

Und: Diese neuen Rechte werden für alle Arbeitnehmer gelten – unabhängig von der Art ihres Beschäftigungsverhältnisses, also auch für befristet eingestellte Arbeitnehmer, Teilzeitkräfte und Leiharbeitnehmer.

Eigentlich ist letzteres ja eine Selbstverständlichkeit.
Aber man kann es auch positiv formulieren: Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Gleichbehandlung von Zeitarbeitnehmern und Festangestellten.

Foto: Stefan Beger, pixelio

 
Okt
16
KOM
 

bildungDie BILD titelt IHK und IG Metall kritisieren Bildungspolitik und die Stuttgarter Nachrichten: Bildungssystem produziert zu wenig Qualität.

Die Stuttgarter führt aus:

Wirtschaft und IG Metall üben scharfe Kritik an der Bildungspolitik im Südwesten. Es gebe im Schulsystem keinen Wettbewerb der Ideen und keine Anreize für gute Lehrer, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Andreas Richter, in einem gemeinsamen Interview mit IG-Metall-Landeschef Jörg Hofmann.

“Dieses System produziert aus sich heraus zu wenig Qualität. Umso mehr muss man sich fragen, warum die Politik da nicht mal richtig rangeht.” Es gebe zwar jede Menge praktische Beispiele für Verbesserungen – diese würden aber nie zu Standards.

Auch Hofmann erklärte, es sei “offensichtlich, dass Bildung ein Problemfeld des Landes ist”.

Also, abgesehen davon, dass ich das Problem der, nun sagen wir mal, ausbaufähigen Bildungspolitik durchaus nicht auf’s ‘Ländle’ beschränkt sehe sondern bundesweit, bin ich völlig mit den Herren. Und ich find’s gut, dass Industrie- und Handelskammer und Gewerkschaft gemeinsam in dieses Horn tuten.

Foto: RainerSturm, pixelio

 
Sep
28
KOM
 

wunschzettelAuch, wenn noch kein Ministerposten neu besetzt ist und das finale amtliche Wahlergebnis noch nicht offiziell verkündet wurde: Klar ist, CDU/CSU und FDP haben reichlich genug Stimmen bei der gestrigen Bundestagswahl bekommen, um gemeinsam regieren zu können.

Was bedeutet das für die Zeitarbeitbranche?

Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) beruhigt die Branche: Nachteilige Änderungen seien durch die neue Regierung für die Zeitarbeit nicht zu erwarten. In einer Pressemitteilung auf open PR sagt er:

Beide Parteien wissen: Zeitarbeit hilft den Unternehmen, schwankende Auftragslagen abzufedern – in der Krise ebenso wie im Aufschwung. In Zeiten unsicherer konjunktureller Entwicklung bedeutet diese Flexibilität einen Wettbewerbsvorteil. Ohne Zeitarbeit liefe der Wirtschaftsmotor nicht rund.

Auf Stolz’ Wunschzettel an die neue Regierungskoalition stehen vor allem zwei Punkte:

  • Ein tariflicher Mindeststandard soll allgemeinverbindlich festgeschrieben werden und
  • die Zeitarbeit soll ins Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen werden.

Und schon jetzt appelliert er um „Flankenschutz für die Branche durch den Gesetzgeber“, wenn im Mai 2011 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit EU-weit eingeführt wird.

Ansonsten hofft Stolz, dass sich alle nach wie vor an bereits gemachte Zusagen halten und dass die Zeitarbeit nicht polemisch diskutiert wird.

Foto: M. Großmann, pixelio

 
Sep
22
KOM
 

abstimmungDa setzen sich zwei Bundesländer zusammen und arbeiten eine Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungs-Gesetzes aus. Mit dem Ziel, die Leiharbeiter den Stammarbeitern in Unternehmen gleichzustellen, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Das sollte gemäß dem Antrag von Bremen und Rheinland-Pfalz im Bundesrat beschlossen werden:

  • LeiharbeiterInnen sollen das gleiche Entgelt bekommen wie die Beschäftigten der Entleihfirma.
  • Sie sollen die gleichen Arbeitsbedingungen gewährt bekommen.
  • Tarifverträge der Zeitarbeitsbranche sollen nur dann gelten, wenn die ZeitarbeiterInnen entweder gerade in keiner Entleihfirma arbeiten oder wenn die Tarifverträge im Entleihbetrieb schlechter als die Tarifverträge der Zeitarbeitsbranche oder nicht vorhanden sind
  • Die Dauer der Leiharbeit soll auf 24 Monate begrenzt werden.

Sind doch sehr vernünftige und faire Ansätze bei, oder?

Aber, wie’s so kann’s gehen in der Politik: Dieser Antrag wurde vergangenen Freitag im Bundesrat abgelehnt.

Unter anderem übrigens von Nordrhein-Westfalen.

Das Land Nordrhein-Westfalen habe das Problem zwar erkannt und gemeinsam mit den Gewerkschaften eine Telefon-Hotline geschaltet; gleichzeitig habe das Land im Bundesrat gegen die Verbesserungsvorschläge gestimmt. „Das ist unverständlich und völlig unglaubwürdig“

sagten Ministerpräsident Kurt Beck und Arbeitsministerin Malu Dreyer

Foto: S. Hofschlaeger, pixelio