Archive für die Kategorie 'Billigjobs'

Okt
26
KOM
 

Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, der Gesetzgeber und selbstverständlich die Branche selbst beschäftigen sich derzeit mit der Einführung von Equal-Pay-Modellen. Ob nun Equal-Pay oder Equal Pay-Stufenmodell, es wird eine Angleichung der Löhne von Stammbelegschaft und Beschäftigten der Personaldienstleister geben.

Entgegen mancher Befürchtungen ist der Schritt, die Lohnattraktivität in der Personaldienstleistung zu erhöhen, eine logische und richtige Konsequenz, um auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren.

Die aktuellen und zu erwartenden Arbeitsmarktzahlen und das zur Verfügung stehende Arbeitskräftepotenziale sowie die demografische Entwicklung werden alle Unternehmen (Personaldienstleister sowie auch andere Branchen) dazu bewegen, ihre Attraktivität auf Bewerber und Mitarbeiter stetig zu erhöhen, um dem Wettbewerb bezüglich qualifizierter Mitarbeiter zu bestehen.

Um die Arbeitsplätze in der Personaldienstleistung aufzuwerten und einen Wettbewerbsvorteil des eigenen Unternehmens zu generieren, ist es über einen tariflichen bzw. gesetzlichen Zeitpunkt der Einführung von Equal Pay ratsam, sich mit seinen Kunden frühzeitig auf geeignete Lösungen zu verständigen.

In jedem regionalen Markt wird – sobald die ersten Equal-Pay Vereinbarungen zwischen Personaldienstleistern und Kundenbetrieben vereinbart worden sind – ein intensiver Wettbewerb um gute, qualifizierte Mitarbeiter beginnen bzw. intensiviert werden. Und da Bewerber bzw. Mitarbeiter im Regelfall bei dem attraktivsten Arbeitgeber (u.a. Equal Pay) arbeiten wollen und sich deshalb schnell um eine Beschäftigung bei eben diesem bewerben werden, wird der Zeitpunkt der jeweiligen Einführung von Equal Pay eine gewichtige Rolle über den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens spielen.

Dieser oben beschriebene Prozess wird die Attraktivität und die Akzeptanz der Personaldienstleistung in der Bevölkerung erhöhen und voraussichtlich zusätzliche Bewerber und Interessenten für die Personaldienstleistung gewinnen.

Zum Autor dieses Beitrages:

Frauenknecht

Das Seminar und Beratungsunternehmen Stefan Frauenknecht Training & Beratung unterstützt Personaldienstleister z. B. mit dem Seminar „Projektmanagement Equal Pay – Gewinnung von Potenzialkunden zur Einführung von Equal Pay“, um alle Beteiligten für neue Konzepte zu gewinnen und von den anstehenden Entwicklungen zu profitieren.

Mehr zu den Seminaren von Stefan Frauenknecht Training & Beratung finden Sie unter
www.frauenknecht-training.de

 
Apr
15
KOM
 

Berlin, 15. Februar 2011 – Der deutsche Bundesrat billigt in seiner 882. Sitzung den Mindestlohn bzw. die Lohnuntergrenzen für die Zeitarbeitsbranche. Die Lohnbegrenzung durch Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) ist ein deutliches Zeichen gegen das befürchtete Lohndumping im Zuge der Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 01. Mai 2011.

Ab 01. Mai 2011 gelten nun Mindestlöhne in Höhe von

7,79 Euro im Westen und

6,89 Euro im Osten.

Trotz der – nach jahrelangem politischen Gezerre -  nun endgültig beschlossenen Einführung des Mindestlohns sehen zumindest einige Mitglieder des Bundesrats eine Gleichbehandlung der Zeitarbeitnehmerschaft nur in der konsequenten Umsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes (equal pay):

“Für die Leiharbeit ist der Mindestlohn – gerade im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011 – ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Künftig bildet der jeweilige tarifliche Mindestlohn die absolute Lohnuntergrenze und gilt nicht nur für die Zeit des Einsatzes beim entleihenden Unternehmen, sondern vor allem auch für die verleihfreie Zeit. Der Mindestlohn verhindert extrem niedrige Löhne und schützt vor Dumpingkonkurrenz aus dem Ausland. Er trägt aber nicht dazu bei, den Lohnunterschied zwischen Leiharbeitern und Stammbelegschaften in höheren Entgeltgruppen zu verringern. Das kann nur durch die Verwirklichung des Gleichbehandlungsgrundsatzes – also den Grundsatz “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” – erreicht werden.”

(Quelle: Erstes Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes – Verhinderung von Missbrauch der Arbeitnehmerüberlassung, Punkt 2 der 882. Sitzung des Bundesrates am 15. April 2011Antrag der Länder Rheinland-Pfalz, Hamburg)

Weiter Infos über die AÜG-Änderung finden Sie unter:

BMAS: “Zeitarbeit vor Missbrauch schützen”

 
Mrz
10
KOM
 

spielzeugOffensichtlich gibt es nicht nur gute Vorbilder. Auch extrem fragwürdige Methoden finden Nachahmer:

Die Hamburger Morgenpost fasst zusammen:

Aufregung bei Toys’R'Us in Eidelstedt. Angestellte wurden entlassen, Zeitverträge nicht verlängert, stattdessen sind Leiharbeiter im Einsatz. Für ver.di steht fest: Der Betriebsrat soll geschwächt werden. “Sollte die Anzahl der dauerhaft Beschäftigten auf unter 21 fallen, wäre nur noch ein einköpfiger Betriebsrat im Amt”, so ver.di-Sekretär Björn Krings. Toys’R'Us soll sich inzwischen per einstweiliger Verfügung gegen die Wahl eines erneuten dreiköpfigen Betriebsrats stemmen.

Hamburg-business-on zitiert zu Details Björn Krings, den zuständigen ver.di Sekretär:

Der Spielzeughändler Toys’R'us in Hamburg versucht, eine ähnliche Methode zum Abbau von regulären Beschäftigungsverhältnissen anzuwenden.

Das Unternehmen setzte in seiner mit knapp 30 Beschäftigten besetzen Filiale in Hamburg Eidelstedt ein Viertel der Kolleginnen und Kollegen mittels Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen und Kündigungen vor die Tür. Seit Anfang März werden nun ersatzweise Beschäftigte der Leiharbeitsfirma ‘Teamwork’ in der Filiale in Eidelstedt eingesetzt.

Ver.di will gerichtlich gegen gegen Toys’R'us vorgehen und per einstweiliger Verfügung den Einsatz von Leiharbeitern untersagen lassen.

Und sogar der Hamburger Senat mischt sich nun in diesen spektakulären Fall ein:

Laut Informationen des Hamburger Abendblatts schrieb Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) einen Brief an Toys’R'us, in dem er sehr betroffen darum bat, die Umstrukturierungen noch einmal zu überdenken.

Ich denke, dass Toys’R'us sich mit dieser Aktion weit mehr schadet als die Firma gewinnen könnte, wenn sie mit ihr durchkäme. Ein angeknackster Ruf hallt lange in den Köpfen der Menschen nach.

Foto: Susanne Schmich, pixelio

 
Mrz
05
KOM
 

billigloehneDen Artikel Lohndumping im Auftrag des Staates bei heise.de finde ich wirklich bitter.

Alle sprechen von Lidl, Schlecker und anderen Unternehmen, die Mitarbeiter zu Niedriglöhnen beschäftigen. Die Politik engagiert sich verbal für die in Niedriglohnbranchen Arbeitenden, zum Beispiel die Altenpfleger, aber die Relaität sieht so aus:

Es sind bittere Zahlen, die das Finanzministerium auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken nennt, die auch Telepolis vorliegt. Im öffentlichen Sektor sind 131.722 Menschen beschäftigt, die so geringe Löhne erhalten, dass sie zusätzliche Leistungen aus dem Hartz-IV-Topf beziehen müssen. Jeder zehnte Hartz-IV-Aufstocker ist somit direkt oder indirekt im Öffentlichen Dienst tätig.
Anzeige

Noch dramatischer fällt die Zahl bei den sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten aus, die Zusatzleistungen in Anspruch nehmen müssen. Von den insgesamt 424.915 Vollzeitbeschäftigten, bei denen der Lohn so gering ist, dass sie zusätzlich Hartz-IV-Leistungen beanspruchen müssen, sind 75.057 (18%) im Öffentlichen Dienst tätig.

Dies ist jedoch nur eine Dunkelziffer, die Zahl der Niedriglöhner im Dienste des Staates ist weitaus höher, da nicht jeder Niedriglöhner Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen hat. Wer beispielsweise in einer Partnerschaft lebt, bei der der Partner normal verdient, geht auch bei den Aufstockern leer aus.

Der gesamte Artikel ist sehr lesenswert und lässt doch ab und an denken, dass da seitens des Staates recht zynisch mit Menschen umgegangen wird. Auf jeden Fall besteht Handlungsbedarf im Bereich der Niedriglöhne. In diese Richtung geht auch das Fazit im Artikel:

In keinem anderen westeuropäischen Land gibt es so viele Niedriglöhner wie in Deutschland. Längst sind es nicht mehr nur die ungelernten Hilfsarbeiter, die für Hungerlöhne arbeiten müssen – drei Viertel der Niedriglöhner [extern] haben eine Berufsausbildung absolviert oder sogar studiert. Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst von Jahr zu Jahr, die Löhne im Niedriglohnsektor nehmen Jahr für Jahr weiter ab.

Foto: Rainer Aschenbrenner, pixelio

 
Jan
23
KOM
 

Über die doch sehr fragwürdigen Methoden der Drogeriemarktkette Schlecker, die viele ihrer Mitarbeiter entlassen und über ein Leiharbeitsunternehmen zu sehr viel schlechteren Arbeitsbedingungen in ihren neuen XL-Märkten wieder einstellt, konnten Sie hier im Blog ja schon mehrfach lesen:

Schlecker hebelt Arbeitnehmerrechte aus – wirklich unglaublich!
Arbeitsminister Naumann unterstützt Proteste gegen Schlecker XL

Die Entwicklung, die sich jetzt in diesem Fall abzeichnet, wird ausgezeichnet zusammengefasst in dem Artikel BA sieht keine Handhabe gegen Schlecker-Zeitarbeit von Reuters

Und morgen Abend lohnt es sich, um 21.45 Uhr ARD zu gucken, denn da ist bei Anne Will Thema:

Methode Schlecker – faire Arbeitsplätze Fehlanzeige?

Erst entlassen, dann zum Dumpinglohn und schlechteren Arbeitsbedingungen wieder einstellen – der “Fall Schlecker” hat die Leiharbeit bundesweit wieder in die Schlagzeilen gebracht. Inzwischen hat das Unternehmen bekundet, vorerst auf weitere Zeitarbeiter zu verzichten. Damit sei das eigentliche Problem aber noch nicht gelöst, mahnen Gewerkschaften und Arbeitsmarktforscher: Dieses Vorgehen habe in Deutschland längst Methode. Eine neue OECD-Studie bescheinigt Deutschland gar “eine Zweiklassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt”.
Wie hart geht es derzeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu? Welche Rolle spielt die Leiharbeit in der Krise? Schafft sie Jobs oder dient sie vor allem dem Lohndumping?
Das Thema diskutieren Herta Däubler-Gmelin (SPD), Achim Neumann von der Gewerkschaft ver.di, die Betriebsrätin Ulrike Schramm-de Robertis, der Personaldienstleister Peter Mumme und der Unternehmensberater Florian Gerster.

Und hier noch ein Beitrag aus dem ZDF vom 12.01.2010: Lohndumping? Vorwürfe gegen Schlecker

 
Dez
12
KOM
 

Sie erinnern sich vielleicht: Im September gab’s hier schon einen Artikel über die neuen Schlecker XL-Märkte.

Das Thema ist ja nach wie vor im Zentrum der Aufmerksamkeit. Zu Recht. Das findet jetzt auch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann wie im Artikel Minister unterstützt Protestaktion in den Westfälischen Nachtichten zu lesen ist:

… wirft Laumann dem Drogerie-Riesen “systematische Tarifflucht” vor. “Statt des mit Verdi ausgehandelten Firmentarifvertrages, der sich am Branchentarifvertrag des Einzelhandels in NRW orientiert, werden über Zeitarbeitsverträge Löhne von rund 6,50 Euro gezahlt. Ich nenne das systematische Tarifflucht, die das soziale Gefüge in Schieflage bringt”, so der Minister.

Und kürzlich gab es einen Flashmob bei Schlecker XL in Bremen:

Ich hoffe ja wirklich, dass Schlecker umdenkt und seine Lohnpolitik verändert.

 
Sep
04
KOM
 

Extrem sehenswerte Sendung von ARD-exklusiv: Die neue Armutsindustrie.

Ein-Euro-Jobs, nahezu unbezahlte Praktika mit ziemlich fadenscheinigen Begründungen, Spezialisten “auf umme”. Wie bitter ist das denn…
Aber mal ehrlich: Tragen wir alle, die wir ständig auf Schnäppchenjagd sind, sehr preisbewusst einkaufen und kaum noch bereit sind, für gute Qualität gute Preise zu bezahlen, nicht auch tüchtig dazu bei?

Aber hier die Sendung in drei Teilen:
Teil I:

Teil II:

Teil III: