Mrz
05
KOM
 

billigloehneDen Artikel Lohndumping im Auftrag des Staates bei heise.de finde ich wirklich bitter.

Alle sprechen von Lidl, Schlecker und anderen Unternehmen, die Mitarbeiter zu Niedriglöhnen beschäftigen. Die Politik engagiert sich verbal für die in Niedriglohnbranchen Arbeitenden, zum Beispiel die Altenpfleger, aber die Relaität sieht so aus:

Es sind bittere Zahlen, die das Finanzministerium auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken nennt, die auch Telepolis vorliegt. Im öffentlichen Sektor sind 131.722 Menschen beschäftigt, die so geringe Löhne erhalten, dass sie zusätzliche Leistungen aus dem Hartz-IV-Topf beziehen müssen. Jeder zehnte Hartz-IV-Aufstocker ist somit direkt oder indirekt im Öffentlichen Dienst tätig.
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Noch dramatischer fällt die Zahl bei den sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten aus, die Zusatzleistungen in Anspruch nehmen müssen. Von den insgesamt 424.915 Vollzeitbeschäftigten, bei denen der Lohn so gering ist, dass sie zusätzlich Hartz-IV-Leistungen beanspruchen müssen, sind 75.057 (18%) im Öffentlichen Dienst tätig.

Dies ist jedoch nur eine Dunkelziffer, die Zahl der Niedriglöhner im Dienste des Staates ist weitaus höher, da nicht jeder Niedriglöhner Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen hat. Wer beispielsweise in einer Partnerschaft lebt, bei der der Partner normal verdient, geht auch bei den Aufstockern leer aus.

Der gesamte Artikel ist sehr lesenswert und lässt doch ab und an denken, dass da seitens des Staates recht zynisch mit Menschen umgegangen wird. Auf jeden Fall besteht Handlungsbedarf im Bereich der Niedriglöhne. In diese Richtung geht auch das Fazit im Artikel:

In keinem anderen westeuropäischen Land gibt es so viele Niedriglöhner wie in Deutschland. Längst sind es nicht mehr nur die ungelernten Hilfsarbeiter, die für Hungerlöhne arbeiten müssen – drei Viertel der Niedriglöhner [extern] haben eine Berufsausbildung absolviert oder sogar studiert. Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst von Jahr zu Jahr, die Löhne im Niedriglohnsektor nehmen Jahr für Jahr weiter ab.

Foto: Rainer Aschenbrenner, pixelio

 
Feb
28
KOM
 

vortragAm 11. März in Celle findet in der Alten Exerzierhalle am Neuen Rathaus von 10 bis 17 Uhr die Regionalmesse statt.

Den ganzen Tag lang gibt es

Informationen rund um das vielseitige Thema Personaldienstleistung, konkrete Stellenangebote und die Möglichkeit zu Vorstellungsgesprächen direkt vor Ort. Referenten aus ganz Deutschland geben ihr Expertenwissen in kostenlosen Vorträgen an die Besucher weiter.

Außerdem

bringen über 15 Aussteller aus der Region rund um Celle von Walsrode über Wolfsburg, Braunschweig und Hannover bis hinein in die Wedemark offene Stellenangebote mit für alle Qualifikationsstufen vom angelernten Helfer über Berufsanfänger bis zum studierten Ingenieur oder Betriebswirtschaftler. Gesucht wird ebenso für kleine mittelständische Unternehmen wie für internationale Konzerne, in beiden Fällen oft mit dem erklärten Ziel, geeignete Arbeitnehmer dauerhaft in ein festes Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

Viel ausführlichere Informationen und die Themen und Referenten der Vorträge finden Sie in diesem Artikel:
Regionalmesse Celle lockt mit Jobs und spannenden Vorträgen

Das hört sich nach einer sehr interessanten Veranstaltung an, wenn Sie im norddeutschen Raum einen Job suchen oder sich in Sachen Ausbildung und Weiterbildung informieren wollen.

Foto: S. Hofschlaeger, pixelio

 
Feb
24
KOM
 

ampel_gruenNa bitte, und es bewegt sich doch. Zum Positiven.

Zwei weitere Branchen bekommen einen Mindestlohn zugesprochen:

Die Gebäudereiniger und die die Dachdecker dürfen sich freuen:

Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP gab grünes Licht für die Umsetzung der von Arbeitgeber und Gewerkschaften im Tarifausschuss einstimmig beschlossenen neuen, höheren Lohnuntergrenzen. Die alten Tarifverträge waren ausgelaufen.

Mit diesem Beschluss des Koalitionsausschusses hielt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Wort. Sie hatte zwei Wochen zuvor versprochen, zügig die Abstimmung zwischen den Ressorts abzuschließen.

In Zahlen bedeutet der Beschluss:

Lohnuntergrenze für die Gebäudereiniger: 6,83 Euro in den neuen Bundesländern, 8,40 Euro in den neuen. Der Tarifvertrag gilt bis Ende 2011.

Lohnuntergrenze für die Dachdecker: 10,60 Euro Deutschlandweit einheitlich. Der Tarifvertrag gilt bis Ende 2013.

In den Tarifverträgen ist eine stufenweise weitere Anhebung der Mindestlöhne vorgesehen.

Quelle: Haufe.de Foto: Rike, pixelio

 
Feb
20
KOM
 

reichstagEin ‘bisschen’ spät, um einen heftigen Imageschaden noch abzuwenden: Die Drogeriekette Schlecker beendet nach den Lohndumping-Vorwürfen die ‘Zusammenarbeit’ mit der Leiharbeitsfirma Meniar – wobei ich das Wort ‘Zusammenarbeit’ hier formaljuristisch angewendet empfinde, ist Meniar doch eine Tochter Schleckers.

In diesem Blog war Schlecker ja schon mehrfach Thema:

Schlecker hebelt Arbeitnehmerrechte aus – wirklich unglaublich!

Arbeitsminister Naumann unterstützt Proteste gegen Schlecker XL

Die ‘Methode Schlecker’ Thema bei Anne Will am 24.01.2010

Aber wie auch immer.

Wie in Epoch Times am 12.01.2010 zu lesen, habe man seitens Schlecker

die öffentliche Diskussion um die Beschäftigung von Meniar-Leiharbeitern „bisher nicht nachvollziehen können“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens am Montagabend in Ehingen. Um die Diskussion zu beenden, habe Schlecker jedoch beschlossen, mit sofortiger Wirkung keine neuen Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit Meniar mehr abzuschließen.

Nicht nur in der Öffentlichkeit war Schlecker massiv unter Druck geraten, weil das Unternehmen seine Festangestellten zum Teil durch Meniar-Zeitarbeiter ersetzte, die nur die Hälfte des üblichen Gehalts bekommen. Auch die Bundesregierung wurde auf den Fall aufmerksam.

Epoch Times weiter:

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an. Möglicher Missbrauch von Leiharbeit soll notfalls mit schärferen Gesetzen eingedämmt werden. Von der Leyen betonte zugleich, ihr sei wichtig, dass nun das an sich gute Modell der Zeitarbeit nicht in Misskredit gerate. Viele Jobsuchende hätten dadurch überhaupt nur eine Chance am Arbeitsmarkt.

Am 19.02.2010 berichtet Epoch Times, dass man auf politischer Ebene inzwischen tatsächlich tätig geworden ist:

Die Union im Bundestag hat konkrete Vorschläge vorgelegt, wie der massenhafte Missbrauch der Zeitarbeit in Deutschland eingedämmt werden könnte. Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe, Peter Weiß, forderte am Freitag in Berlin eine Verschärfung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Künftig sollten Leiharbeiter längstens ein Jahr für weniger Lohn als die Stammbelegschaft arbeiten dürfen. Zudem müsse festgelegt werden, wie hoch die Abweichung vom Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ maximal ausfallen darf, sagte er.

Weiß forderte, die Kontrolle der Branche müsse dringend verschärft werden. „Wenn Zeitarbeit nur dazu dient, Lohndumping zu betreiben, hat sie ihre Berechtigung verloren.“ Weiß sagte, Leiharbeiter müssten nicht zwangsläufig im Nachteil sein. Er könne sich gut vorstellen, dass Firmen wegen Fachkräftemangel im nächsten Aufschwung sogar Lohnzuschläge für Zeitarbeiter als Ausgleich für die unsichere Beschäftigung zahlen.

Ich bin gespannt, wie das weitergeht…

Foto: Brigitte Niedermeier, pixelio

 
Feb
18
KOM
 

tauziehenDiese Tarifvertrags-Verhandlungen waren wohl wie ein heftiges Tauziehen, zwischen den Verhandlungspartnern Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) und Christliche Gewerkschaften.

Gewonnen am Ende haben wohl vor allem die Zeitarbeitnehmer.

Denn der AMP und die christlichen Gewerkschaften haben sich auf ein neues Tarifvertragswerk einigen können. Welche Eckdaten es bietet, ist in einer Pressemitteilung zu lesen:

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört u. a. eine lineare Anhebung der Entgelte: Im Westen steigen die Löhne ab 1. Juli 2010 um 3,4%, so dass es in der untersten Lohngruppe 7,60 € für ungelernte Zeitarbeitskräfte geben wird. Für den Osten wurde eine Anhebung um 4,1% vereinbart. In einem zweiten Schritt wird es zum 1. Juli 2011 eine Entgelterhöhung um 2% im Westen und um 2,5% im Osten geben. Außerdem haben sich AMP und Christliche Gewerkschaften auf eine Regelung geeinigt, die die Anwendung des neuen Tarifvertrages bei konzerninterner Arbeitnehmerüberlassung – wie im Fall Schlecker – ausschließt.

Aber einfach war es wohl nicht:

“Das waren die schwierigsten Verhandlungen, die ich jemals führen musste”, sagte Helmut Syfuß, Sprecher des AMP-Tarifausschusses und Vizepräsident des AMP, am 12. Februar 2010 in Berlin. “Wir mussten bis an unsere absolute Schmerzgrenze – und teilweise darüber hinaus – gehen, um mit den Christlichen Gewerkschaften überhaupt eine Einigung erzielen zu können.” …

“Bauchschmerzen bereitet mir besonders, dass wir uns verpflichten mussten, Verhandlungen über einen von allen Sozialpartnern unserer Branche gemeinsam getragenen Mindestlohntarifvertrag zu führen”, so Syfuß. “Der AMP hat sich aus guten Gründen immer gegen Mindestlöhne ausgesprochen, aber ohne dieses Zugeständnis wären die Verhandlungen geplatzt. Für uns war es dann doch wichtiger, für die Zeitarbeitsunternehmen ein zukunftssicheres Gesamtpaket zu schnüren. Und wenn der Abschluss am 1. März endgültig steht, bieten wir den Personaldienstleistern den einzigen aktuell gültigen Tarifvertrag für die Branche.”

Durch die Reihen der Zeitarbeitnehmer aber dürfte jetzt ein erleichtertes Aufatmen gehen. Zeichneten sich doch die Tarifverträge der christlichen Gewerkschaften bislang immer durch eklatant niedrigere Löhne aus als die Verträge aller anderen Gewerkschaften.

Ein tolles Signal, was hier gesetzt wurde.

Foto: S. Hofschlaeger, pixelio

 
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